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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Die nicht deutschen Kolonialbahncn in Afrika.

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sich bereits eine wesentliche Steigerung der Einnahmen gegen das Vorjahr geltend; die Belebung des Eisenbahnverkehrs war hauptsächlich eine Folge der regeren Tätigkeit in den Bergwerken des Witwater-Rand- bezirks und der damit in Verbindung stehenden geschältli« hen Unter­nehmungen. Die Steigerung war um so bemerkenswerter, als gleich­zeitig eine Reihe von Fahrpreis- und Tarifermäßigungen zur Einführung gelangte. Die Betriebsausgaben für 1909 zeigen gleichzeitig einen be­trächtlichen Rückgang. Mit der Gründung der südafrikanischen Union ist eine weitere wirtschaftliche Erstarkung der Eisenbahnen in Transvaal eingetreten.

5. Verträge zwischen Transvaal und Mosambik über Arbeitergestellung und Tarife.

Vor dem südafrikanischen Kriege bestanden zwischen Transvaal und der portugiesischen Kolonie Mosambik Verträge aus dem Jahre 1875, durch die den Boden- und Industrieerzeugnissen von Laurenzo Markes freie Einfuhr nach Transvaal gesichert war; zugleich war ein Tarif zwischen der portugiesischen Delagoabahn und der damals von einer holländischen Gesellschaft verwalteten Bahn Transvaals verein­bart. Durch diese Abmachungen wurde Laurenzo Markes entsprechend seiner bevorzugten geographischen Lage der tatsächliche Ein- und Ausfuhrhafen von Transvaal. Als Gegenleistung gestattete die portu­giesische Regierung die Anwerbung von Eingeborenen aus Mosambik zu den Bergbauarbeitern des Randbezirks. Diese Verquickung der Arbeiter- und Eingeborenenfrage von Transvaal mit den Verkehrs- und 'Tariffragen bleibt seitdem eine Eigentümlichkeit des Eisenbahnwesens von Südafrika, in das hierdurch ein rein politisches Element hinein- geiragen wird.

Infolge des südafrikanischen Krieges kamen die Bergwerksarbeiten im Randbezirk fast völlig zum Stillstände, (legen 90000 Schwarze kehrten damals in ihre Heimat zurück und die portugiesische Regierung erließ ein strenges Auswanderungsverbot für die Eingeborenen. Nach dem Friedensschlüsse aber brauchte Flngland für die Transvaalgruben die zuverlässigen und fleißigen Arbeitskräfte aus Mosambik. Am 18. De­zember 1901 wurde von Lord Milner der sog. Modus vivendi unter­zeichnet, in dem die britisch-südafrikanische Regierung die seinerzeit von der Transvaalregierung abgeschlossenen Verträge mit Mosambik übernahm. Nachdem Lord Milner den Vertrag von 1875 anerkannt hatte, gestattete Portugal wieder die Anwerbung der schwarzen Arbeiter und erweiterte seine Tarifbedingungen dahin, daß Ermäßigungen der Frachtsätze der britisch-südafrikanischen Kolonien (besonders der Kap- kolonie und Natalsi auch auf die Tarife der Transvaalbahnen über­tragen wurden. Hiermit schienen die Vorzüge der geographischen Lage von Laurenzo Markes als Seehafen von Johannesburg gesichert, da das Abkommen noch eine Klausel enthielt, wonach im Falle einer Kündi­gung oder Nichterfüllung des Vertrages die Gestellung der schwarzen Arbeiter nach 'Transvaal sofort aufhören sollte.