86 Die deutschen Kolonialbahncn in Ainka.
bisherige Besitzerin auf längere Zeit — zunächst auf io Jahre fest — zu Bedingungen, die dem Fiskus aus dem Pachtverhältnis eine gute Verzinsung des Kaufpreises sicherten, aber auch der Gesellschaft noch einen angemessenen jährlichen Reingewinn aus dem Überschuß ihrer Betriebseinnahmen über den abzuführenden Pachtzins ließen. Dieser Überschuß stellte für die Gesellschaft den anderen Teil des Kaufpreises der Bahnen dar, und diese blieb an der Höhe des Überschusses, mithin an einer guten Betriebsführung der Bahnen interessiert. Als Pachtzins hat die Gesellschaft zu zahlen in Prozenten des Kaufpreises vom i. bis 5. Pachtjahr, jährlich um V 10 v. H. steigend: 4,6 bis 5,0; vom 6. bis 10. Jahr 5,5; vom 11. bis 20. Jahr 6,o; vom 21. bis 30. Jahr 6,5 v. H. Die Verpachtung wird stillschweigend um je 5 Jahre verlängert, falls nicht die Pächterin bis zum 31. März 191g, 1924, 1929 oder 1934 den Wunsch nach Lösung des Pachtverhältnisses erklärt. Der vereinigte Kaufund Pachtvertrag trat am 1. April 1910 in Kraft, die Mittel wurden durch die überraschenden Diamantenfunde in der Namib des Schutzgebietes Südwest in unerwarteter Weise gewonnen.
3. Die ^Südbahn Lüde ritzbucht — Keetmanshoop mit der Zweigbahn Seeheim — Kalkfontein. Während die Staatsbahn Swakopmund—Windhuk in Damara- land der Rinderpest ihre Entstehung verdankt, wurde die S ü d - bahn des Namalandes durch den Hottentottenaufstand in der zweiten Hälfte des Jahres 1904 ins Leben gerufen. Nach eingehenden Vorarbeiten wurde im Dezember 1905 eine Bahnvorlage für den Bau der 140 km langen Strecke Lüderitzbucht—Aus, und zwar mit Rücksicht auf das Bahnnetz in der Südafrikanischen Union hier zum ersten Male in K a p s p u r, 1,067 m » ein- gebracht. Unter dem Drucke der schweren Aufstandsgefahr nahm der Reichstag die Vorlage an, und die Bauausführung wurde der Deutschen Kolonialeiscnbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft in Berlin übertragen. Trotz der Gefahren und Schwierigkeiten des Aufstandes wurde der Bau so rasch gefördert, daß man den Betrieb auf der Strecke Lüderitzbucht—Aus bereits am 1. November 1906 eröffnen konnte. Die Wasserbeschaffung verursachte auch hier ungewöhnliche Schwierigkeiten und die Durchquerung des Wüstengürtels der Namib mit ihren gefährlichen Wanderdünen stellte neue, zunächst unlösbar scheinende technische Aufgaben. Die Linienführung war schwierig, denn die Bahn hatte von der