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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Abschnitt II.

I)ie deutschen Kolonialbahnen in Afrika.

Geschichtliches: Bau der ersten Kolonialbahnen.

Im Jahre 1884 ist Deutschland in die Reihe der Kolonialmächte eingetreten. Am 24. April 1884 erklärte Fürst Bismarck der englischen Regierung durch den deutschen Konsul in Kapstadt, daß die Niederlassungen von L ü d e r i t z in Südwestafrika fortan unter dem Schutze des Deutschen Reiches ständen. Dieser Tag war der Geburtstag der aktiven deutschen Kolonialpolitik. Am 5. Juli 1S84 wehte die Reichsflagge zum ersten Male in Togo, am 14. Juli in Kamerun. Am 22. Juni 1884 wurde die deutsche Schutzherrschaft über die Lüderitzschen Erwerbungen, das damalige Angra Pequena, anerkannt.

Obwohl die Erfahrungen anderer Länder und Kolonialvölker, be­sonders von Nordamerika, England, Frankreich, Belgien überzeugend bewiesen hatten, daß Eisenbahnen ein wichtiges Mittel zur wirt­schaftlichen Erschließung von Neuländern sind, so zog man doch in Deutschland erst spät Nutzen aus dieser Tatsache. Volle zehn Jahre nach Beginn unseres kolonialen Zeitalters verstrichen, bis die erste Bahn in den Schutzgebieten eröffnet wurde: am 16. Oktoberi894 wurden die ersten 14 km der Usambara-Eisenbahn von Tanga bis Pongwe in Ostafrika dem Betriebe übergeben! Aber noch weitere elf Jahre dauerte es, bis diese Bahn in ihrer ganzen Länge mit 129 km bis Mombo vollendet werden konnte.

Die zweite Kolonialbahn wurde in Süd west 1897 von Swakopmund nach Windhuk begonnen, als dort die Rinderpest ausgebrochen war. Zu ihrer Vollendung brauchte die Bahn fünf Jahre, bis Juni 1902. Togo eröffnete seine erste Eisenbahn, die Küstenbahn LomeAnecho, am 18. Juli 1905, und Kamerun trat erst 1909 in das Eisenbahnzeitalter ein, als am 1. August die erste Teilstrecke der Manengubabahn dem Betriebe übergeben wurde. Samoa und Neuguinea, letzteres von schmalspurigen