Die deutschen Kolonialbahnen in Afrika.
84
2. Die Otavi-Eisenbalin mit der Zweigbahn O t a v i — G r o o t f o n t e i n.
Bau und Verstaatlichung. Die jetzt verstaatlichte Otavi-Eiscnbahn war ursprünglich als ein industrielles Unternehmen der Otavi-Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft ins Leben gerufen worden, die im Jahre 1900 als Tochtergesellschaft der Deutsch-Englischen Südwestafrika-Kompagnie zur Ausbeutung der Otavi-Kupfer- und Bleigruben mit einem Grundkapital von 1 Mill. ./£, gegründet wurde. Anfangs bestand die Absicht, im Anschluß an die vielerörterte ,,Transafrikanische Bahn" eine kapspurige Bahn vom portugiesischen Hafen Porto Alexandre in südöstlicher Richtung durch das Gebiet der Mossamedes-Gesellschaft nach Otavi zu bauen und spater nach Rhodesia fortzuführen. Schließlich indes entschied man sich für eine Linie von bo cm Spurweite, die ausschließlich durch deutsches Gebiet gehen und von Swakop- mund über Usakos und Otavi nach Tsumeb führen sollte, um der Verfrachtung der Bergwerks- und Hüttenerzeugnisse nach der Küste auf dem kürzesten Wege zu dienen.
Die Damaralandkonzession vom 12. September 1892 enthielt bereits die Genehmigung zum Bau und Betriebe der Otavibahn. Für den Bahnbau wurde das Grundkapital auf 20 Mill. ,ii. erhöht, und die Aktiengesellschaft Artur Koppel in Berlin, der die Bauausführung in 60 cm-Spur übertragen wurde, begann im Oktober 1903 mit ihren Arbeiten. Ein Vierteljahr spater, am 4. Januar 1904, brach der Hereroaufstand aus und die an der Bahn beschäftigten Hereros ließen die Arbeit im Stich. Für die Fortführung des Baues entstanden daher erhebliche Schwierigkeiten, zu denen die Verlegenheiten in der Wasserbeschaffung für den Bau und die Arbeiter traten. Das Trinkwasser mußte man mit Ochsenkarren auf 50 bis 60 km Entfernung heranfahren. Nach mancherlei Störungen konnte die 177 km lange, der Staatsbahn ungefähr parallel laufende Strecke Swakopmund—Onguati mit der 14 km langen Anschlußbahn nach Karibib an die Staatsbahn am 18. Mai 1905 dem Verkehr übergeben werden. Am 12. November 1906 wurde die ganze Balm bis Tsumeb, 567 km, eröffnet. Infolge ihrer günstigen Linienverhältnisse, schwachen Steigungen und flachen Krümmungen und ihres wesentlich schwereren Oberbaues hat sich die Otavibahn trotz ihrer schmalen Spurweite als recht leistungsfähig erwiesen. Die gesamte Bahn stand im Jahre 1909 mit rund 18 163 000 M, das sind 31 300 M für das Kilometer, zu Buch.