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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Die deutschen Kolonialbahnen in Afrika.

erwähnen die Brücken über den Mombebach, km 26, über den Mbo, km 128 und über den Mellebach, km 142.

Die erste Teilstrecke der Bahn bis km 89 wurde am 1. August 1909 dem Betriebe übergeben. Damit erhielt Kamerun seine erste Kolonialbahn! Am 1. April 1911 wurde die Bahn in voller Ausdehnung bis Nkongsamba, km 160 eröffnet und vom Gouverneur am 24. Mai feierlich eingeweiht. Die Baugesellschaft übernahm in der Folge die Betriebsführung durch einen auf 10 Jahre laufenden Betriebsvertrag. Betrieb und Verkehr der Bahn ent­wickelten sich so günstig, daß schon für das Jahr 1912 bei einem Betriebsüberschuß von 219 466 M ein 3 prozentiger Gewinn auf die Vorzugsanteile, Reihe A (5 640 000 M), ausgeschüttet werden konnte. Für 1913 verzinste sich das ganze Anlagekapital bereits mit mehr als 2,6 v. H.!

Eine Verlängerung der Bahn in nordöstlicher Richtung über Bare und Dschang in die Landschaft Barn um bis Fumban wird erwogen und erscheint aussichtsvoll, während der ursprüng­liche Plan einer Durchführung bis zum Tschadsee an den hinter Bamum vorgelagerten hohen Gebirgen scheitert und als endgültig aufgegeben gelten muß.

2. Die M i t t e 11 a n d b a h n D u a 1 a E d e a X j o n g.

Diese Bahn, deren Forderung in der großen Kolonialbahnvorlage vom Jahre 1908 enthalten war, bildet die Anfangs- und Stamm­strecke der künftigen, von der Küste nach dem Innern gerichteten Erschließungsbahnen für Kamerun. Sie dient zunächst der Öffnung des Südwestens und Südens des Schutzgebiets, für die seinerzeit in erster Linie Erwägungen politischer und militärischer Art maß­gebend waren. Vor allem soll sie in ihrem Durchzugsgebiet die Beseitigung des Karawanenhandels herbeiführen.

Das Bakokoland mit seinen Hauptausfuhrerzeugnissen, Palmöl und Palmkernen, gehört zu den fruchtbarsten Gebieten von Kamerun; zwischen dem Sanaga- und dem Njongflusse befinden sich große Waldbestände von Ölpalmen. Als künftige Bahnfrachten kommen Mais, Erdnüsse, Tabak und Kakao sowie zahlreiche Edel- und Bauhölzer in Betracht. Im Jaundebezirk werden der Bahn erheb­liche Frachten an Pferden, Rind- und Kleinvieh aus den Zucht­gebieten Adamaua und der Tschadseegegend zufallen. Die dicht­bevölkerten Bakoko- und Babimbibezirke werden der Bahn lebhaften Personenverkehr bringen.