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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Die deutschen Kolonialbahnen in Afrika.

insgesamt auf rund. 2,4 Millionen beläuft. Das anfangs ziemlich abfällige Urteil über den Wert der hinzuerworbenen neuen Gebiets­teile hat dank eingehender Erkundungsreisen inzwischen einer wesentlich günstigeren Beurteilung Platz machen müssen.

Der gegebene Ausgangspunkt für die Erschließung Kameruns durch Eisenbahnen ist der sehr gute, natürliche Hafen D u a 1 a , im Innern der geräumigen gleichnamigen Bucht gelegen. Nach Durch­baggerung der sogenannten Innenbarre werden künftig die großen Seedampfer nach Duala heraufgehen und an den daselbst geplanten Kais anlegen können, so daß sich dann der Umschlag zwischen Schiff und Bahn anstatt des gegenwärtigen Leichterverkehrs auf einfachste Weise vollziehen wird. Da die östliche Binnengrenze des Schutzgebiets, die sich von Bonga bis zum Tsadsee dem fran­zösischen Äquatorialafrika zukehrt, mindestens viermal so lang ist, als seine Küstengrenze, so erscheint die Erschließung des Hinter­landes von Kamerun durch ein Netz von Duala ausstrahlender, den wichtigsten Punkten der Binnengrenze zustrebender Bahnlinien mit geographischer Notwendigkeit gegeben.

1. Die Manenguba - oder Kameruner Nordeisenbahn.

Diese Bahn ist die einzige heute noch bestehende Privat- bahn unter den deutschen Kolonialbahnen, wenn man von den Kleinbahnen, wie Sigi-, Viktoria-Pflanzungsbahn 11. dgl., absieht. Ihre Vorgeschichte sei daher etwas eingehender wiedergegeben.

Im Jahre 1900 hatte sich auf Anregung des Gouverneurs von Kamerun ein Syndikat zur Gründung einer Gesellschaft für Bau und Betrieb einer Eisenbahn ins Hinterland des Kamerungebirges gebildet. Die etwa 100 km lange Bahn sollte von Viktoria ausgehen, auf dem rechten Ufer des Mungo den Ostabhängen des Kamerun­berges folgen und inMundame am Mungo endigen. Das Syndikat erbat von der Regierung keine Zinsbürgschaft, sondern nur die Überweisung von 70 000 ha Kronland am Endpunkt und zu beiden Seiten der Linie. Während der Konzessionsverhandlungen wurde eine Änderung des Planes notwendig, da im Jahre 1901 die Viktoria- Pflanzungsgesellschaft mit der Absicht hervortrat, eine 60 km lange Bahn in 60 cm Spurweite auf eigenem Gelände von Viktoria über den östlichen Abhang des Kamerunberges zu erbauen. Diese stellte die Ertragsfähigkeit der Strecke ViktoriaMundame in Frage, und man mußte daher andere Trassen, mit Duala als Ausgangspunkt,