Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Kamerun.

worden. Dieser Haussahandel hat an den Grenzen des Waldlandes und der Bantu halt­gemacht ^8, 190^; 528^. Erst infolge europäischen Einflusses sind die Haussa auch in diese Gebiete, ja selbst bis zur Küste vorgedrungen (s. Karte, S. 474). Geldwert besitzen bei den Sudänstämmen Messing- und Eisendraht von bestimmter Länge und Dicke. Die Verhält­nisse sind in dieser Beziehung also noch recht primitiv. Ebenso primitiv sind die Verkehrs­wege. Es sind schmale Pfade, die durch das Grasland und den Buschwald laufeu. Gegen­über dem Waldland besteht der Nachteil, daß Brücken überhaupt nicht existieren. Als Ver­kehrsmittel dient bei den Heiden ausschließlich der Mensch, eventuell das Kanu, während die Haussa häufig auch mit Packtieren, namentlich Eseln und Pferden, reisen.

In d e n i s l a m i s ch e n Reichen ^31; 477 ff.^ sind, entsprechend den größeren politischen Verhältnissen, auch die Handelsverhältnisse viel großartiger. Nicht nur haben Haussa und Kanuri die eigenen Länder mit Handelsstraßen erschlossen, es kommen vielmehr noch die großen Pilgerstraßen dazu, die von allen eingeschlagen werden, die nach Mekka wandern wollen. So sind die großen Staaten südlich der Sahara vom Senegal bis zum Roten Meer untereinander durch Handelsstraßen verbunden, zumal die Mekkapilger zum großen Teil selbst Händler sind, indem sie auf der laugen und beschwerlichen Reise mit Hilfe des Kleinhandels ihr Dasein fristen. So findet denn in der mohammedanischen Welt ein Austausch der Produkte entfernter Gebiete statt. Märkte gibt es in jedem Dorf, und innerhalb eines Bezirkes haben die einzelnen Orte in bestimmter Reihenfolge ihre Markt­tage. Diese Märkte stehen unter der Kontrolle des Lehnsherrn, der einen bestimmten Marktvogt eingesetzt hat. In dessen Hand liegt die Marktpolizei; er erhebt gewisse Ab­gaben, von denen er einen Teil dem Oberherrn abzuliefern hat. Im allgemeinen kommen nur die weniger wertvollen Produkte auf den Markt. Sklaven, Elfenbein und Kolanüsse dagegen werden meist im Hause verhandelt, hauptsächlich, um nicht den eigenen Reichtum zur Schau zu tragen und die Habsucht der Machthaber zu erregen. Als Geld dienen einmal Baumwollenstreifen (Feri) von 35 Finger Breite und bestimmter Länge, die in den ver­schiedenen Städten verschieden groß sind und aus denen die Kleider zusammengenäht werden. Außerdem haben in manchen Gegenden Frauenkleider von einer gewissen Länge sowie fertige Toben ganz bestimmten Wert. In sehr vielen Gegenden sind Kaurimuscheln als Kleingeld gebräuchlich, als große Münze auch der österreichische Mariatheresientaler, der speziell für den Orienthandel immer noch geprägt wird. Bezüglich der Verkehrswege steht der Sudan freilich nicht höher als die übrigen Gebiete der Kolonie. Auch hier hat man lediglich Pfade für Träger, während Brücken gänzlich fehlen. Von Packtieren sind Esel und Pferde, in Bornu auch Packochsen im Gebrauch.

«. Geistiger Kultnrbesitz.

Den materiellen Kulturbesitz festzustellen, ist relativ leicht. Sehr viel schwieriger dagegen ist es, sich ein Bild von den geistigen Leistungen eines Volkes zu machen. Bis jetzt ist hierüber verhältnismäßig recht wenig bekannt geworden, aber so viel läßt sich doch deutlich erkennen, daß wie in dem materiellen Kulturbesitz, so auch in diesem Punkt ein scharfer Gegensatz zwischen den Heiden einerseits und den Mohammedanern anderseits besteht. Im folgenden seien der Reihe nach besprochen: 1) Sitten und Gebräuche, 2) Rechts­verhältnisse, 3) Religion und 4) Kunst und Wissenschaft.

Sitten und Gebräuche. Zahlreiche Berichte über die Sitten und Gebräuche der einzelnen Völkerschaften liegen wohl vor, allein es ist zurzeit kaum möglich, die bisherigen