Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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7. Die Bevölkerung. Sprachen und Wohnsitze.

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Bahr el Ghafal und dem Ubangisystem einsetzte. Als die ägyptische Herrschaft im Ost- Sudan vernichtet war, gründete sich der Bandenführer Rabbeh ein eigenes Reich und er­oberte Dar Banda und Dar Runga ^41^. Von hier aus wandte er sich aber nicht auf der Wasserscheide entlang nach Südwesten, sondern nach Nordwesten, indem er zuerst Bagirmi und dann, das bekannte Völkertor südlich des Tschadsees benutzend, Bornu eroberte. Wie im Jahre 1900 sein Reich zusammenbrach, ist bereits im ersten Kapitel berichtet worden.

7. Die WeväMerung,

So kurz der geschichtliche Abriß auch ist, so geht aus ihm doch klar hervor, daß Kamerun ein Schauplatz reger Wanderungen gewesen ist und daß ein Zusammendrängen der Völker aus Norden, Osten und Süden gerade auf dem Gebiet unserer Kolonie rund um das Kamerunästuar stattgefunden hat. Man kann daraus von vornherein schließen, daß recht komplizierte ethnographische Verhältnisse herrschen müssen, und daß es nicht leicht sein wird, die Herkunft und Verwandtschaft, die Sprach- und Kulturelemente klar zu erkennen. Am leichtesten festzustellen ist noch die sprachliche Verwandtschaft der Völker, und diese sei daher zunächst betrachtet. Freilich muß man sich immer klar darüber sein, daß gleiche Sprache noch nicht gleiche Abstammung bedeutet, sondern nur ein Beweis für ein ehe­maliges oder noch bestehendes Zusammenleben und einen direkten Verkehr der Völker ist.

^. Sprachen und Wohnsitze.

Folgende Sprach engruppen kann man unterscheiden: die Sprache der Pyg­mäen, die Bantusprachen, die Sudänsprachen, ferner fremder Herkunft das Kanuri, das Fulfulde und das Arabische (s. die Völkerkarte im Anhang).

Die Bagielli, der letzte Rest einer einst über ganz Afrika verbreiteten Urbevöl­kerung, haben nach fast allen Autoren eine eigene Sprache, die aber, wie v. Stein mit­teilt, nur noch von alten Leuten gesprochen wird A xii; 126^. Welcher Natur sie freilich ist, ist vollständig uubekaunt. Auch nicht ein einziges Wort der Bagiellisprache ist bis jetzt veröffentlicht worden. Ebensowenig wissen wir, ob sie wie die der Buschmänner in Süd­afrika und der noch immer nicht mit Sicherheit nachgewiesenen Pygmäen im Atlas Schnalz­laute besitzt. Die Bagielli leben vor allem in dem Urwaldgebiet des Küstengebirges süd­lich des Sanaga, in den sumpfigeu Urwäldern zwischen Dja und Ssanga, wahrscheinlich aber auch in den mittleren Waldgebieten.

Die arabische Sprache hat auch nur eine verhältnismäßig geringe Verbrei­tung. Südlich des Tschadsees sitzen wohl gegen 100,000 Araber ^22. 25), die wahrschein­lich erst in islamischer Zeit, möglicherweise aber auch schou früher eingewandert sind, die Schua. Diese haben inmitten der sie umgebenden fremden Völker bis zum heutigen Tage au ihrer Sprache hartnäckig festgehalten, während die nach Adamaua eingewanderten spärlichen Araberstämme sie verloren haben. Eine große Rolle spielt das Arabische indessen in der ganzen mohammedanischen Welt des Sudan, weil es die Schriftsprache ist uud die meisten Gebildeten sie im Anschluß au das Studium des Korans beherrschen.

Ähnlich fremd wie das Arabische steht das Fulfulde den Negersprachen gegenüber. Die Untersuchungen von Schleicher ^ haben ergeben, daß das Fulfulde mit der Sprache der Somali verwandt, also hamitisch ist, wenn auch zweifellos im Laufe der Jahrhunderte