Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Kamerun.

der Berberstädte in den Oasen der algerischen Sahara und dürften in der Tat auch gleichen Ursprungs sein.

Was die Anlage der Siedelungen im Graslande und im Steppengebiet des Nor­dens betrifft, so muß man sich einerseits nach dem Wasser richten, das namentlich während der Trockenzeit nicht überall zu finden ist. Anderseits sind die Heidenstämme gezwungen, auf eine möglichst sichere und starke Lage Rücksicht-zu nehmen, da sie durch die Sklaven­jagden der Fulbe fortwährend bedroht werden. So finden wir denn, wie bereits erwähnt, viele Dörfer gerade in den unwegsamsten Gebirgen, wohin vor allem die feindliche Reiterei nicht gelangen kann. Für die großen Fulbeorte ist dagegen entscheidend einmal die Frucht­barkeit des Bodens in breiten Talsenken oder ausgedehnte Weidegründe daher die dichte Besiedelung gerade des breiten Benue'tals sowie der grasreichen Hochflächen Süd- Adamauas sodann aber haben sie sich an den wichtigsten Verkehrsstraßen und schließlich an der Peripherie des alten Reiches entwickelt, von wo aus man, auf eine starke Festung gestützt, die umgebenden Heidenländer brandschatzen konnte.

4. Materieller Kulturbesitz.

Von den Kulturgeräten sind viele für den Ethnographen von großer Wichtigkeit, weil sich aus ihrer Verbreitung bis zu einem gewissen Grade Schlüsse auf Entstehung, Abstammung und Geschichte der Kultur ziehen lassen. Wieder andere sind wenig charak­teristisch, weil sie überall vorkommen oder auch sehr schnell wechseln. Im nachfolgenden soll besonders auf die ersteren Rücksicht genommen werden. Wir wollen der Reihe nach die folgenden Kulturgeräte besprechen: 1) Handwerke, 2) Hausgeräte, 3) Musikinstrumente, 4) Bekleidung und Schmuck, 5) Waffen.

Von den Hand w erken, die in ganz Kamerun verbreitet sind, gilt wohl ganz allgemein, daß sie vorwiegend von einzelnen Familien gewerbsmäßig ausgeübt werden, daher kann man von Hausindustrie reden, an die sich weiterhin Handel und Verkehr an­schließen. Die Töpferei wird fast überall von Frauen betrieben, die Töpfe der ver­schiedensten Form herstellen. Diese Töpfe werden auf Holzspänen gebrannt, die auch in den Topf getan werden. Zum Teil werden sie auch mit verschiedenen Farben, namentlich Rot und Schwarz, gefärbt. Einst stand südlich des Tschadsees dieses Handwerk höher in Blüte als heutzutage. Man findet im Logongebiet in allen Gräbern kolossale Töpfe, die auf Riesen zurückgeführt und jetzt nicht mehr hergestellt werden können. Vielleicht waren die Sso die Verfertiger. Die Drehscheibe ist nirgends im Gebrauch. Sehr geschickt ist man im Flechten von Körben, Matten, Tellern und anderem, die hauptsächlich aus Gras, Bast und Palmfasern hergestellt werden und oft bunt und geschmackvoll gemustert sind. Dieses Handwerk wird, wie auch alle folgenden, nahezu ausschließlich von Männern betrieben, so auch die Schnitzarbeiten in Holz, Knochen und Elfenbein, die teils mit Messern, teils aber auch mit scharfen Steinen ausgeführt werden. Hier handelt es sich nament­lich um Schalen, Töpfe, Nackenstützen, Stühle, Holzpfosten, Trommeln und Boote. Sehr geschmackvolle Geräte versteht man aus Kalabassen zu verfertigen, die teils Schalen-, teils Flaschenform haben, mit gebrannten Mustern versehen und oft bunt gefärbt werden. Auch die Herstellung von Geweben (s. Beilage, S. 491) mit Hilfe einfacher Web­stühle ist sehr verbreitet. Man kann hauptsächlich zwei Gebiete unterscheiden. Im Kongo- Becken werden aus Palmfasern sehr haltbare, oft geschmackvoll gefärbte Stoffe und Matten