7. Die Bevölkerung. — Die Kulturverhältnisse.
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und anderen Früchten und Knollen, die gekocht und mit einer stark gepfefferten Palmölsauce und, wenn möglich, mit Fleisch gegessen werden ^51; 47ff.^. Da, wo Mais und Hirse die Hauptnahrung bilden, wird ein mit Palmöl oder Butter zugerichteter Mehlbrei hergestellt. Das Fleisch wird geröstet oder gekocht, für sich allein oder mit Gemüse, und gern stark gepfeffert. Da das Fleisch nicht selten recht knapp ist, so sind, namentlich im Gebiete der Geheimbünde, die Frauen häufig durch Speiseverbote von der Fleischnahrung ausgeschlossen, indem zu solchen Verboten religiöse Vorwände erfunden werden ^2,1902/03; 490^. Hunde werden bei den Heiden fast allgemein gegessen, auch zu diesem Zweck gemästet. In der mohammedanischen Welt freilich ist man wählerischer und verschmäht nicht nur dieses Fleisch, sondern vor allem auch das Schweinefleisch. Daher werden die Kerebina, jenes am Tschadsee lebende Jägervolk, aufs tiefste verachtet, weil sie sich an das mohammedanische Gebot nicht kehren und hauptfächlich vom Fleifch der erlegten Wildschweine leben ^25, ii; 343^. Bemerkenswert ist, daß die Milch im ganzen Waldland weder von den Bantn noch von den Graslandstämmen W; 39^ getrunken wird. Ebenso verschmäht man die Eier.
Bezüglich der einheimischen Getränke lassen sich zwei Regionen scharf unterscheiden. In dem ganzen Waldlande und in denjenigen Gebieten Südadamauas, wo die Weinpalme noch gedeiht, wird in erster Linie Palmwein — iriinibo — getrunken. Sobald aber mit den Sudännegern die Kultur des Hirse beginnt, tritt dasHirsebier in seine Rechte. Bei den Heiden des nördlichen Adamaua wird das Bier in solchen Quantitäten genossen, daß es geradezu als Nahrungsmittel dient ^8,1900; 46i, u. 1907;1142^. Milch trinken alle Mohammedaner, namentlich die Fulbe. In Bornu sucht man sie durch Hinzufügen von Kuhurin haltbarer zu machen.
Alle Afrikaner haben ein großes Bedürfnis nach Salz (vgl. die Geologische Karte im Anhang). In Kamerun sindet es sich in zahlreichen Salzquellen in der Gegend zwischen Nssakpe und Mamfe am Krenzflusse, wo es auch ausgebeutet wird s51^. Ein anderes Gebiet liegt angeblich im Ebolowadistrikt. Es wird in den an offenen Sümpfen reichen Landschaften des Jetsang-Jekombo-Jesse und des Jssamesalegebiets gewonnen^, 1906/07; 18^. Die Ursache sür sein Auftreten ist nicht bekannt, doch erscheint es fraglich, ob es sich wirklich um Kochsalz und nicht um ein aus Pflanzenasche gewonnenes künstliches Salz handelt, denn solches Salz wird in weiten Teilen des Sudan und auch unserer Kolonie hergestellt: salzreiche Gräser und Büsche werden verbrannt, die Asche ausgelaugt und die extrahierten Salze durch Eindampfen gewonnen. Dieses Salz enthält fast ausschließlich Kalisalze, nicht Kochsalz ^5, 1893; 316^. Auf der Südseite des Tschadseebeckens, wo der Boden viel Natron enthält, wird ein an Natron reiches Pslanzensalz in großer Menge gewonnen, namentlich aus ^axxaris soclaw s^l, 1903; 343^. Im mittleren Adamaua werden bestimmte Grasarten dazu benutzt.
Von sonstigen Genußmitteln wäre vor allem der Tabak zu erwähnen, der nahezu überall teils geraucht, teils geschnupft wird. Die Kolanüsse, die auf den Körper eine belebende Wirkung ausüben, sind besonders in dem mohammedanischen Sudäu sehr geschätzt. Sie werden von den Haussahändlern aus Südadamaua geholt und im Sudan zu hohen Preisen verkauft.
3. Hausban und Siedelungen.
Die Siedelungen hängen ab einmal von der Natur des Landes, z. B. Wasserplätzen und Überschwemmungszonen, gutem Boden und guten Weiden, günstiger Verkehrslage, Gesundheitsverhältnissen und anderem, sodann aber auch von rein menschlichen Verhältnissen,
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