Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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7. Die Bevölkerung. Die Kulrurverhültnisse.

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So haben wir denn wahrscheinlich in dem mohmnmedmnschen Feudalstaate im wesent­lichen die Familien der Adligen und Freien des herrschenden Volkes einerseits und die aus fremden unterworfenen Völkern bestehenden Hörigen und Sklaven anderseits. Es fehlt aber ein richtiger Mittelstand, denn der Fulbe ist in erster Linie Viehzüchter oder sitzt als Landedelmann auf seiner Besitzung und läßt die Sklaven für sich arbeiten. Handwerk, Handel und Industrie dagegen sind ihm ein Greuel. Infolgedessen sind die fleißigen, Handel und Gewerbe treibenden Haussa und Kanuri in großer Zahl nach Adamaua eingewan­dert, und sie sind es, die den Mittelstand bilden. Zwar sind sie Fremdlinge innerhalb des Reiches, aber zu einer gewissen Genossenschaft organisiert, an deren Spitze ein sogenannter Galadima steht, der ihre Rechte und Interessen am Hofe der Lamidos vertritt. Viele der Haussa und Kanuri sind reich geworden und spielen die Rolle einflußreicher Bankiers an den Höfen der verarmten Fulbeherrscher. Infolge des Mangels eines Mittelstandes, den An­gehörige des herrschenden Volkes bilden sollten, stand das alte Fulbereich sozial auf sehr schwachen Füßen. Daher ist auch der schnelle Zusammenbruch des Emirats von Adamaua unschwer zu erklären. Zwischen jenem und dem alten Polen besteht eine bemerkenswerte Übereinstimmung, denn zwischen die Freien und Hörigen des herrschenden Volkes drängte sich auch hier ein fremdes, den Mittelstand bildendes Volk die Juden.

Die Organisation des alten Reiches Bornu war wesentlich ausgebildeter als die des Fulbereiches. Waren doch die herrschenden Kanuri ein relativ einheitliches Volk, das intensiv Landwirtschaft, Handel und Gewerbe betrieb. Daher gab es neben dem Adel und den Sklaven auch einen kräftig blühenden Mittelstand. Über das Vasallenwesen war man aber in dem eigentlichen Bornu bereits hinaus, denn das Land zerfiel in eine Anzahl von Provinzen, die unmittelbar von Staatsbeamten und nicht von mehr oder weniger un­abhängigen Vasallen verwaltet wurden IM. 25^j. Nur an der Peripherie des Reiches, z. B. am Logonflusse, in Mandara und Kanem, befanden sich Lehnsstaaten, die meist recht un­abhängig waren, und zwar Tribut schickten, aber selten oder gar nicht Heeresfolge leisteten. Bekanntlich wurde das Bornureich von Rabbeh zerstört. Nach seinem Untergange hat sich in dem dem deutschen Gebiete zugefallenen Teil eine Reihe von kleinen Staaten gehalten, die im wesentlichen ehemaligen Vasallenstaaten von Bornu entsprechen dürften.

2. Die Wirtschaftsformen (s. dieWirtschaftskärtchen" auf der Verwaltungs- und Verkehrskarte im Anhang).

Nächst der sozialen und staatlichen Organisation ist die Wirtschaftsform für den gesamten Kulturzustand besonders wichtig. Am tiefsten stehen diejenigen Völker, die als Sammler und Jäger ihr Dasein fristen. Die Jagd, wie ja auch das Sammeln, wird bis zur höchsten Kulturstufe aus Liebhaberei betrieben, und so sehen wir denn auch, daß jedes Volk Kameruns sich diesen beiden Beschäftigungen hingibt. Wir haben aber auch zwei Völker, bei denen die Männer ausschließlich der Jagd leben, während die Frauen Lebensmittel sammeln. Es sind dies die Bagielli im Urwald und das Völkchen der Keröbinaim Scharibecken. Die Bagielli betreiben hauptsächlich die Jagd auf Elefan­ten, indem sie sich an die Tiere heranzuschleichen suchen, um ihnen eine Lanze in den Leib zu stoßen. Jetzt benutzen sie auch Gewehre. So sind sie denn unausgesetzt auf der Wanderung hinter den rastlos herumstreifenden Elefanten her und leben hauptsächlich von dem Fleisch der getöteten Tiere, das ihnen auch zum Einkauf pflanzlicher Nahrungs­mittel von umwohnenden Negerstämmen dient ^8, 1907; 886^. Die Kerebina dagegen, die