Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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12. Das nördliche Randgebirge. Pare.

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äußeren Flußsäumen heraus. Vorwiegend sind es Waseguha, die hier wohnen, aber auch Wafchambaa und Wapare in zunehmender Menge. Sie alle werden unter dem Namen Waruwu (Flußleute") zusammengefaßt.

Europäische Pflanzungen von Baumwolle, Reis, Zuckerrohr beginnen sich in der Flußniederung des Unterlaufes zu mehren und lassen sich gut an. Un­vergleichlich mehr ließe sich aber in der Panganiniederung auf Eingebornenfeldern und Europäerpflanzungen erzeugen, -wenn man den Fluß mit den Mitteln moderner Wasser­bautechnik zur künstlichen Bewässerung von Kulturland ausnutzte. Über vielen Strom­schnellen und Fällen könnten Kanäle abgezweigt werden, die das Wasser nach Bedarf über die anliegenden Felder ausbreiten. Gerade hier, wo die Regenzeiten so unregelmäßig ein­treten und so verschiedene Niederschlagsmengen liefern, daß die Ernten fast immer ge­fährdet sind, würde die künstliche Bewässerung dem Neger wie dem Weißen viel Sicher­heit geben. Die bisherigen Versuche dieser Kulturform erstrecken sich hauptsächlich auf Reis und Mais als Volksnahrung und auf Baumwolle und Manihotkautschuk als Plantagen­produkte. Zuckerrohrbau, den die Araber seit langem hier betreiben, dürfte sich wegen der niedrigen Preislage auf dem Weltmarkt nur im Kleinbetrieb für den Konsum in Ostafrika selbst rentieren. Geringe Aussicht hat die Viehzucht in dieser Niederung und Hügelgelände, weil unterhalb von 500 m Höhe die dem Rindvieh gefährliche Tsetsefliege fast überall vor­handen ist, während sie oberhalb von 800 m Höhe sehr selten vorkommt ^250: ive).

3. Kolonialwirtschaft in Usamvara und Pare.

Werfen wir zum Schluß einen kurzen Überblick über die wirtschaftlichen Aus­sichten des ganzen Usamvara-Paregebirges, so lassen sich diese kurz folgendermaßen skizzieren: Ost-Usambara und der Osten von West-Usambara sind das Anbauland für tro­pische und subtropische, reichere Niederschläge erfordernde Kulturpflanzen, wie Kaffee, Kaut­schuk, vinolioiia, lässig, usw. Im Osten von West-Usambara gedeiht auch Vieh gut auf den schönen Wiesen. Das Zentrum und der Westen von West-Usambara sind in ihren wärme­ren und windgeschützten Lagen ebenfalls ein vorzügliches Kaffeeland, außerdem aber ein Anbaugebiet für Zuckerrohr, Bastbananen, Kampfer, Mais, Tabak, Gerberakazien lAeaeia äseurrens), europäisches Getreide, Kartoffeln, Obst, je nach der Höhe und Exposition des Ortes. Tabak wächst zwar recht üppig, aber die Blätter reifen im Usambaraklima zu spät, um ein wertvolles Produkt zu geben ^U. P., 1909, Nr. 22^. Das zentrale und westliche Usam­bara ist das günstigste Siedelgebiet für Europäer. In dem ausgedehnten Grasland des westlichen West-Usambara gedeiht das Vieh ausgezeichnet, am besten auf den Hochweiden des Wambugubezirkes, der für Pflanzungen zu kühl uud zu nebelig ist. Viehzuchtgebiet vor allem ist auch das Paregebirge mit seinem vorwiegenden Grasgelände, woneben die Eingebornentulturen exportfähigen Mais und Hülsenfrüchte zu liefern vermögen.

Die bisherige Hauptkultur Usambaras, der Kaffeebau, hat unter der ungünstigen Konjunktur des Weltmarktes, namentlich infolge der Konkurrenz des brasilianischen Kaffees, fowie unter Ungeziefer und baldiger Erschöpfung des Bodens schwer zu leiden. Auch die Unregelmäßigkeit der Niederschläge beeinträchtigt das gesunde Wachstum und die Frucht­reife im hohen Grad. Der Ertrag der Bäume beläuft sich durchschnittlich auf nur 1/4 V2 Pfund pro Baum gegenüber ca. 2 Pfund am Kilimandjaro und noch viel mehr in Bukoba. Ferner ist leider unter den mit Kaffee bestellten Böden Ost-Usambaras auch der