Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

ist. Die Feuchtigkeit ist allerwärts gering, da Gedja wie Kaguru im Regenschatten der hohen Unguruberge liegt. Nur die Flußläufe, namentlich der Kisseru und der Luhiga (Luiji), sind auf langen Strecken von schönem Galeriewald begleitet; und diese schmalen, wohlbewässerten Landstreifen sind es, wo die Mehrzahl der Eingebornen sich angesiedelt und ihre Felder angelegt hat ^230; 150, 151^. Groß ist die Zahl der Menschen in Gedja und Kaguru freilich nicht, da sie viele Jahrzehnte lang den Räubereien herumstreifen­der Wakamba, arabischer Sklavenjäger, Massai und Wakuafi ausgesetzt waren. Die Be­wohner Gedjas sind zumeist Wanguru, im Süden auch Wakaguru, und zwischen ihnen sitzen in eigenen Dörfern auch Wakuafi, die hier den Namen Wahumba tragen.

Kolonialwirtschaftlich ist Unguru mit Gedja und Kaguru noch sehr wenig entwickelt. Das bequemer zugängliche Usambara hat ihm bisher das Interesse der Unter­nehmer vorenthalten. Da der Wami als Verkehrsweg unbrauchbar ist (S. 166), so ist Un­guru auf eine Straßenverbindung mit der Küste oder auf Anschluß an die Zentralbahn angewiesen. Dann wird es für die koloniale Nutzung wertvoll werden durch seine dem Plantagenbau die besten Möglichkeiten bietenden warmen Wald Niederungen am Ostfuß, durch sein prachtvolles Pflanzergelände auf der regenreichen Ostabdachung bis zum Nebel­wald bei 1900 in Höhe hinauf, durch seine für Reiskultur wie geschaffenen Alluvialböden in den breiten Haupttälern, durch seine eine ausgedehnte Viehzucht ermöglichenden Hoch­weiden und durch seine für europäische Besiedelung klimatisch ebensogut wie das obere West-Usambara geeigneten Hochregionen, die vielfach 2000 m Höhe übersteigen.

ö. Usambara und Pare.

Zwischen der Pangani-Tangaküste und dem Kilimandjaro zieht sich unfern der Nord­ostgrenze unseres Schutzgebietes ein mehrfach gegliedertes Gebirgsland von Südosten nach Nordwesten, das wie ein mächtiger hoher Damm von der Küstennähe durch das un­wirtliche Steppenmeer in das ferne Innere führt. Es ist das Usambaragebirge mit seinen nördlichen schmalen Fortsetzungen, den Pare- und Uguenobergen, das wegen seiner küstennahen Lage, seiner landschaftlichen Schönheit, seiner üppigen Tropen­wälder in tieferen Lagen und wegen seiner kühlen, europäisch anmutenden Höhen schon früh das Interesse der deutschen Kolonisatoren wachgerufen hat.

In seiner größten Länge ca. 240 Kni, in seiner größten Breite etwa 63 Km messend, gleicht das Usambara-Paregebirge einem langen, nach Norden zugespitzten Keil, der vom Meer her in den Kontinent hineingetrieben ist; und wie die Seiten eines hochkantigen Keils stehen auch die Außenwände des Gebirges steil auf der flachen Unterlage der Steppen­ebene des Küstenhinterlandes. Woher man auch sich Usambara nähern möge, von jeder Seite sieht man es sich hoch und steil aus den umliegenden weiten Ebenen aufschwingen, ähnlich wie die Insel Helgoland aus der Nordsee. Und als eine große Jnselbergmasse, wie in kleinerem Umsang das Ulugurugebirge (S. 159), können wir auch das Usambara-Pare­gebirge ansehen, das durch einige tiefe und breite Täler wieder in die einzelnen Gebirgsinseln von Mlinga, Ost- und West-Usambara, Süd-, Mittel- und Nord-Pare zertrennt ist ^0; 45^.

Gneise, meist Biotit-Hornblendegneise, sind die Gesteine des gesamten Usambara- Paregebirges. Die Gneise streichen sehr vorwiegend meridional mit östlichem Einfall, im zentralen Usambara aber ostwestlich mit südlichem Einfall. Eine mächtige Verwitterungs­schicht von zinnoberrotem bis orangegelbem Rotlehm bedeckt das anstehende Gestein. Auf