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192 Ostafrika.
die von Süden vordringenden Wagom konnten den Wassangu nichts anhaben; dagegen erwuchs ihnen allmählich in den ebenfalls wie sie die Kriegsweise der Wangoni annehmenden Wahehe, die ihnen lange Zeit tributpflichtig gewesen, ein stärkerer Gegner (S. 186). Von den Wahehe nach Usafua verdrängt, wurden die Wassangu nach Besieguug der Wahehe durch die Deutschen zur Rückwanderung in ihr altes Gebiet Ussangu (1898) genötigt, wo nun der jetzige Merere in dem Riesendorf Neu-Utengule am Mhambibach residiert ^178; 211. 41, 1903; 184^.
In ihrem Kulturbesitz, in ihrer Tracht, Bewaffnung, Hausbau, Ackerbau usw. stimmen die Wassangu so sehr mit den Wahehe und Wabena überein, daß wir hierfür ohne weiteres auf die Wahehe verweisen können; er ist durchaus beeinflußt von den Wangoni, denen die „Süluaffeu" Wassangu, Wabena, Wahehe nachgeahmt haben. Nur einige Besonderheiten der Wassangu seien hier hervorgehoben. Während der freie Mhehe alle Beschäftigung außer Krieg, Jagd und Viehhaltung als etwas Entwürdigendes ansah, waren die Wassangu von jeher durch ihre Häuptlinge an Arbeit verschiedenster Art gewöhnt; daher zeichnet sich auch ihr Ackerbau durch große Sorgsamkeit aus ^178; 230^. Ihre Rinderherden waren einst ungeheuer groß und beliefen sich allein in der Boma des Merere auf ca. 10,000 Stück ft16; 368^; aber Kriege und Rinderpest haben die Bestände dezimiert, und erst seit dem letzten Jahrzehnt kehrt der alte Reichtum an stattlichen Buckelrindern allmählich zurück.
Die Bauweise der Wassangu ist die rechteckige, flachdachige Tembe wie bei den Wabena, Wahehe und den nördlichen Nachbarn, und zwar haben die Wassangu sehr respektable Temben für 400—500 Bewohner gebaut und sie, wie die Wahehe, zu ganzen Städten zusammengeschlossen. Die ehemalige Sultanresidenz Utengule unter dem Mbeja- berg war eine von Straßen durchzogene, durch Ringmauern befestigte Tembenstadt von ca. 2000 Seelen ^40; 167^. Auch das heutige Neu-Utengule am Mhambibach in Ussangu ist eine große Tembenstadt, aber ohne Ringmauern, da das deutsche Gouvernement jegliche Besestigung untersagt.
Für die europäische Kolonisation käme Ussangu nur als Pflanzland für Sisal, Kautschuk und namentlich Baumwolle in Betracht ^130; 70-71^. Die Beschaffenheit des Bodens, das heiße Klima und die Arbeitsamkeit der Wassangu wie der benachbarten Wabena sind dem Plantagenbetrieb gleichermaßen günstig. Es sehlt nur an Erleichterung des Verkehrs mit der Küste.
12. Acrs norötiche HstcrfriKcrnische Wanögebirge. ^. Ussagara und Unguru.
Nördlich des Hochlandes von Uhehe und getrennt von ihm durch den tiefen Durchbruch des Ruaha erstrecken sich die Bergzüge des Ostafrikanischen Randgebirges in Si'idwest- Nordostrichtung weiter bis unter 5° 20^ nördl. Br., wo ihre Nordkante zur Massaiebene abbricht. Es sind im wesentlichen drei große Landschaften: im Süden Ussagara mit dem Süd-Rubehogebirge, in der Mitte Kaguru mit dem Nord-Rubehogebirge (Jtumba- bergen) und im Norden Unguru-Gedja mit dem Ungurugebirge. Durch die Täler des Mukondokwa und des Mkundi sind diese drei Landschaften voneinander geschieden. Da aber Ussagara und Kaguru orographisch und anderweitig viel enger miteinander