Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Ostafrika.

Mbaramu im Westen wie zwei große Buchten anlehnen. Alle ihre Bäche laufen in zahl­losen Wasserfällen dem Umba zu. Diese obersten, 14001600 ni über der heißen Steppe erhabenen Umbalandschaften gehören zu den landschaftlich schönsten und zu den gesegnet­sten ganz Usambaras. Einstweilen aber ist die Verkehrsverbindung mit diesen abgelegenen Landschaften noch zu mangelhaft, als daß sich europäische Pflanzer in ihnen mit Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg ansiedeln könnten. Nur die evangelische Mission hat dort die beiden Stationen Hohenfriedeberg bei Mlalo (1460 m) und Neu - Bethel bei Mtai (1620 m) errichtet. Wie schon in Kwai und Kwambugu, so hat auch hier im Gegensatz zu Ost- Usambara und zum Osten von West-Usambara das Jahr nur eine Trockenzeit und eine Regenzeit (Ende Oktober bis Mai). Das Hochland ist gesund, abgesehen von der Leichtig­keit der Erkältungen infolge der starken Tagesschwankungen und der heftigen Steigungs­winde. Von den Bergen führt die Bewässerungskunst der eingebornen Waschambaa und Wapare das befruchtende Naß überall auf die Hügelhänge zu den Bananenhainen, Mais­und Bohnenfeldern, während in den Tälern sich lange Zuckerrohrfelder (zum Pombebrauen) hinziehen. Allerwärts weidet schmuckes Rindvieh auf den Wiesen. Zum Schutz gegen ihre einstigen Feinde (Sembodja, Massai, Wataita) haben auch die Bewohner dieser Nord­landschaften ihre Dörfer auf möglichst unzugängliche Felskuppen gebaut und mit festen hohen Palisadenzäunen umgeben. Bis 100 und 150 Hütten (Mlalo) sind in einer solchen Bergfeste zusammengedrängt. Seit Jahren bauen sich indessen die Leute, dem Frieden vertrauend, immer mehr im freien Felde an.

Auch dem Waldland des Schagajugebirges rücken sie, rodend und Siedel­raum schaffend, immer mehr zu Leibe. Noch ist es ein ziemlich geschlossener Waldkomplex von etwa 150 c^lcni Flächeninhalt mit vielen auslaufenden Zungen, ein rechter Regenwald, defsen Gewächse und Vegetation viel mehr hygrophytisch sind als die des Schumewaldes. Hier werden die Waldriesen 3040 in hoch und schließen sich mit ihren Wipfeln zu einem dämmerigen Laubdach zusammen, unter dem ein dichtes Unterholz von Baumfarnen und wilden Bananen wuchert. Auch in dieser Waldwildnis habe ich von animalischem Leben nichts bemerkt, außer selten einmal eine Nacktschnecke, einen schwarzen großen Tausendfuß oder auf einer Lichtung ein paar unscheinbare Schmetterlinge.

Unten am Gebirgsfuß, wo die Galeriewaldstreifen der vielen dem Schagajuwald entspringenden Rinnsale nahe aneinander treten, liegen mehrere kleine Dörfchen im Busch, deren Bewohner reichen Feldbau betreiben. Sonst ist der ganze Nordfuß des West-Usam- baragebirges unbewohnt, weil alle anderen Bachbetten außer der Regenzeit trocken liegen. Desgleichen wohnen am Westfuß keine Eingebornen, weil auch dort kein ständiger Wasser­lauf die Steppenebene erreicht. Erst an der Südwestecke bei Mumbara beginnt die Reihe von Siedelungen, welche die südwestliche uud südliche Basis Usambaras begleiten und immer am Austritt der Gebirgsbäche in die Ebene liegen oder am Pangani, von denen die Usam- barabäche aufgenommen werden. Abseits von diesen Wasserläufen sind die dürren Steppen der Ebenen, die Ufambara ringsum, außer an der Ostseite (Bondei), umgeben, gänzlich un­bewohnt und wurden ehemals nur von den nomadischen Massai durchstreift.

2. Pare.

Die ca. 20 Kni breite Lücke, die Ufambara von Pare trennt und vom Mkomafi im schmalen, sumpfigen Uferwald träge durchflossen wird, ist eine von grasarmer, dorniger