Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

zahlreiche indische und Suahelihändler im Land, und fast aller Verkehr geht nach den Sta­tionen der am Südfuß des Gebirges entlang laufenden Usambarabahn.

Die anderen Bevölkerungsbestandteile Usambaras lernen wir am besten bei der Be­trachtung der Landschaften kennen, auf die ihre Verbreitung beschränkt ist, und ebenso die Wapare beim Überblick über das Paregebirge.

1. Usmnbara.

Usambara gliedert sich, wie wir S. 202 gesehen haben, durch die tiefen und weiten Täler des Sigi und des Lue'ngera in die drei Gebirgsmassive Mlinga-Ngondja, Ost-Usambara mit Handel, West- oder Hoch-Usambara, denen sich als vierter Teil die Niederungsland­schaften am Pangani und Mkomasi anschließen.

Die beiden am weitesten nach Osten vorgeschobenen Bergstöcke Usambaras, der Mlinga und der nördlichere, von ihm durch den Sigi getrennte Ngondja-Lukindo, steigen steil aus dem Bondei'vorland auf. Der Mlinga, an dessen Südostfuß die Missionsstation Magila (S. 171) liegt, hat fast durchweg bewaldete Hänge, wo sie nicht von den europäischen Plan­tagen entblößt worden sind, und kulminiert in einem felsigen, domförmigen Doppelgipfel von 1080 m Höhe. An den bachreichen Berglehnen liegen nur wenige Waschambaasiede- lungen verstreut, aber einen breiten Raum nehmen die Magrottoplantagen mit ihren Arbeitern ein. Länger gestreckt, größer, aber nicht so hoch ist der nördliche Nachbargebirgs^ stock Ngondja-Lukindo, der ebenfalls fast ganz mit Wald bedeckt ist und mehrere felsige Gipfel hat. Vor zwanzig Jahren fast ganz unbewohnt, zieht er jetzt immer mehr schwarze und weiße Siedler an und scheint namentlich für den Anbau von Kautschuk gut geeignet zu sein.

Westlich von diesen hohen Gebirgsinseln verläuft eine breite und tiefe hügelige Senke von Süden nach Norden, durch die der Kihuhui-S i g i und der Musi sich schlangeln. Hier im Regenschatten der vorgenannten Berge ist die Vegetation zumeist ein niedriger ver- filzter Busch oder hohes Andropogongras, teilweise auch ein dichter Mischwald, der west­wärts in den unteren Regenwald Ost-Usambaras übergeht. Die Besiedelung dieser Senke ist sehr dünn. Im Tal zieht am westlichen Berghang entlang die von der Usambarabahn ab­zweigende schmalspurige Sigibahn der Sigi-Exportgesellschaft, die von den Sägemühlen des oberen Sigitales das prachtvolle Hochwaldholz Ost-Usambaras zur Küste herabbringt.

a) Ost - Usambara. Aus der Sigi - Musisenke erhebt sich mit steilen, bis 1000 in hohen Abhängen Ost-Usambara und fällt im Westen zur Lue'ngeraniederung, im Süden zur Panganiebene ebenso steil wieder ab. In der Südhälfte ein bis 20 Kni breites, wenig geglie­dertes Massiv, läuft es im Norden, wo die tiefen Täler des Musi und Bombo eingeschnit­ten sind, in die drei hohen Kämme von Mai, Kombola und Nielo-Lutindi aus, deren höchster Gipsel, der Nielo, über 1440 m emporragt. Diese Gebirgskämme sind bis nahe an die steppenhaften Nordabhänge Usambaras mit herrlichem Regenwald bedeckt, haben aber nach Osten und Westen so steile Längsabfälle, daß sie für den Anbau keine günstigen Bedingungen bieten. Die Waschambaabevölkerung ist hier von den langen Kriegszeiten her noch dünn. Es ist seit damals ein wunderliches Kunterbunt von kleinen Völker­schaften, die hier im Nordosten Usambaras zwischeneinander gedrängt sitzen. Auf den wal­digen Höhen wohnen Waschambaa, auf den zur Ebene vorgeschobenen Gebirgsvorsprüngen haben sich Wakamba (s. Taf. 2, Bild 5) und Wataita angesiedelt, und am Fuß des Gebirges,