Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

sich, daß auch in diesen begünstigten Hochländern das für Europäer in Betracht kommende Siedelgebiet einen verhältnismäßig nur kleinen Raum einnimmt. Nachdem nun die Zen­tralbahn bis Kilossa vorgerückt ist, bessern sich die wirtschaftlichen Aussichten für Uhehe be­deutend. Von Kilossa nach Jringa führt eine breite Trägerstraße, die auch weit über Jringa hinaus in der Richtung auf Neu-Langenburg gut imstande gehalten ist. Auf ihr ist Jringa von Kilossa aus bequem in ca. 12 Tagen zu erreichen ^D. O. A. Z. i9vk; Nr. 2^j.

Das ganze Uhehehochland nebst Ubena und Ussangu untersteht als Bezirk Jringa der Militärstation Neu-Jringa, die 1896 vom Hauptmann Prince ziemlich inmitten des Uheheplateaus 1500 m hoch angelegt wurde (s. Taf. 8, Bild 3) und sich zu einem hüb­schen Städtchen mit massiven Steinhäusern, Boma, Markthalle entwickelt hat. Außer den Schutztruppenoffizieren und -Unteroffizieren wird es von mehreren deutschen An­siedlern, einigen griechischen und vielen farbigen, darunter etwa zwei Dutzend indischen Händlern, 150 Soldaten und zahlreichen Eingebornen bewohnt, in Summa 2500 Be­wohnern (Anfang 1908). Im Handel des Bezirkes Jringa überwiegen Felle und Wachs bedeutend über alles andere, nachdem das Gummifchneiden verboten und das Elfen­bein fast erschöpft ist I^D. O. A. Z. i9W; Nr. 2^. Der Export hatte vor 1904 einen Wert von 98,000 Rupien, in dem durch die Pest gestörten Jahre 1904: 44,600 Rupien. Die Hütten­steuer hat sich von 8745 Rupien im Pestjahr 1904 auf 21,200 Rupien 1907 erhöht.

Westlich von Neu-Jringa liegt das Alt-Jringa des ehemaligen Sultans Kwawa und unweit von diesem die katholische Missionsstation Tosamaganga, die auch als meteoro­logische Station Bedeutung hat. Die katholische St. Benediktusmission hat schon 1896, als das Land noch in Krieg stand, ihr Werk begonnen und besitzt jetzt außer Tosamaganga noch einige Nebenstationen. Die evangelische Missionsgesellschaft Berlin I ist ihr 1898 nach Kwawas Tod gefolgt und wirkt jetzt auf sechs Stationen in Uhehe und Ubena. Aber die Fortschritte der Christianisierung sind noch gering, wie es der hochmütige Charakter des Mhehe mit sich bringt. Auch hierin ist Uhehe mehr als die meisten anderen Hochplateau­länder Deutsch-Ostafrikas ein Land der Zukunft, nicht der Gegenwart.

3. Ussangu.

Nach Nordwesten fallen die Hochländer Ubena und Uhehe zu der Niederungsland­schaft Ussangu ab, die den vom Njassa-Mkwagraben abzweigenden Ruahagraben einnimmt. Der Ruahagraben ist durchschnittlich 75 Icin breit und etwa viermal so lang und hat eine mittlere Bodenhöhe von ca. 1100 m. In deutlicher Ausbildung reicht dieser Grabenbruch im Norden nur bis an das westöstlich verlaufende Tal des Kisigo-Ruaha, weshalb der Bruch nicht als ein Teil des erst weiter nordwestlich beginnen­den und eine fast meridionale Richtung einschlagenden Großen Ostafrikanifchen Grabens angesehen werden kann (S. 250, 354).

Im Westen wird der Ruahagraben von den 200 m und höher aufsteigenden, lang­gestreckten Steilwänden des Ukimbuplateaus begrenzt, im Osten durch die Westabhünge von Uhehe, die aber eine viel weniger ausgeprägte Bruchstufe darstellen als die Ukimbuwände. Ein westöstlicher Querbruch bildet das untere Tal des Ndembe, wo die Missionsstation Madibira liegt ^41, 1903; 188^. In seinem südlichen Teil ist die Grabensohle, die der Mpangali durchfließt, eben wie eine Tenne, weiter nördlich aber auch wellig und mit Bergen oder Felsgruppen von einigen hundert Metern relativer Höhe besetzt. Die gesamte