Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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9. Das südliche Küstenhinterland. Rufidji.

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nur in den Regenmonaten März bis Mai, zuweilen auch im Dezember bis Februar, nicht zu Fuß, sondern bloß zu Boot überschritten werden ^152; 4?). Seine Breite schwankt in dem langen Durchbruchstal zwischen 80 und 100 m; sandige Inseln verzweigen seinen Lauf. Beim Austritt aus dem Hochland unterhalb der Gologoloberge Uhehes breitet er ein weites Alluvium aus, das mit hohem Gras und lichtem Steppenwald bewachsen und wegen.seiner außerordentlichen Fruchtbarkeit stark besiedelt ist; vor dem letzten Aufstand und jetzt wieder. Je mehr sich aber der Fluß dem Rufidji nähert, desto wechselvoller wird sein Lauf; sein Bett verengt sich bisweilen stark zwischen hohen Sandsteinfelsen, bisweilen breitet er sich 200 m weit aus und wimmelt von Blöcken und Klippen, zwischen denen die Gewässer in starker Strömung dahinjagen. Mehrere Male aber legen sich Felsenbarren über die ganze Strombreite, die nur wenige Meter breite Stromschnellen ossen lassen und ein unüber­windliches Hindernis für jedes Boot sind ^139, i; 174^. So beschaffen, vereinigt fich der Ruaha mit dem dort ganz ähnlich gearteten Rufidji nahe bei den Panganischnellen.

5. Der Rufidji-Unterlanf.

Unterhalb der Panganischnellen beginnt der Rusidji, indem er mit scharfer Kurve aus der Südwest-Nordostrichtung in die westöstliche übergeht, seinen Unterlauf, auf dem er für flachgehende Fahrzeuge mit Vorsicht bis an seine Mündung schiffbar ist W; 368^; eine Stromstrecke von rund 240 Km Länge. Bei dieser Stromlänge hat der Unterlaus eine Tallänge von etwa 160 Km, ein absolutes Gefalle von 80 m, ein relatives Gefalle des Tales von 1:2000, des Stromes von 1:3000. Auf der ganzen Strecke ist das Flußtal in ein flach­welliges oder ganz ebenes Gelände von sandigem Lehmboden nur leicht eingesenkt. Nirgends steht festes Gestein an. Erst bei KiPei treten auf der Südseite höhere Hügelzüge, das Vor­land von Kitschi, an das Flußtal heran.

Auffallend breit und tief find die in den Rufidji einmündenden Seitentäler, in denen allen langgestreckte, seeartige Wasserflächen eine große Wassersülle und erodierende Wasser­kraft der Regenzeit bekunden- Zahllose Krokodile, Flußpferde, Nilgänse, Reiher, Pelikane, Störche usw. bewohnen diese stillen Gewässer. Flamingos aber scheint es am ganzen Unter- und Mittellauf des Rufidji nicht zu geben ^180; 136^.

Zu beiden Seiten des Rufidjiwles trägt das Land lichte, oft recht dürftige, mitunter auch von einzelnen Dumpalmen und Baumeuphorbien durchstreute Busch- und Baum­grassteppe, wie fast im ganzen mittleren und nördlichen Küstenhinterland, während im Tal selbst die übliche, hauptsächlich aus Schilfgräsern bestehende Alluviumvegetation wuchert, wenn sich nicht Siede lungen ausbreiten. Diese aber sind bis in die Gegend der Msangassimündung (Kipo) recht dünn gesät, denn bis dahin ist die Talsohle und ihr fruchtbarer Schwemmboden relativ schmal, und die Beunruhigung durch die räuberischen Mafiti undMafitiaffen" war hier sehr groß. Von Kipo aber stromabwärts, wo die Tal­sohle viel breiter wird und die zunehmende Verzweigung des Flusses viel mehr Nückzugs- möglichkeiten bei feindlichen Invasionen gewährt, mehren sich auch die Ansiedelungen außer­ordentlich. In langen Reihen ziehen sich die Hüttengruppen auf der Talfohle hin, in der fönst baumlosen Talebene von prachtvollen Mangobäumen, da und dort auch von Kokos­palmen überschattet. Die Felder, auf denen vorwiegend Sorghum, Maniok, Mais, Bananen, Bohnen usw. gebaut werden, ziehen sich auch in das Gelände über dem nördlichen Talrand hinauf, aber trotz der starken Besiedelung ist nur ein relativ kleiner Teil der fruchtbaren