Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostnfrika.

Die Viehzucht wird im Küstenland für den Neger- wie Europäerbetrieb immer schwieriger, je mehr infiziertes Vieh und neue Viehkrankheiten durch den steigenden Verkehr aus dem Innern nach der Küste gebracht werden. Auch hierin wird eine Besserung durch die Eisenbahnen geschaffen werden, die den schnellenTransport gesunden Viehes aus seuchenfreien Binnenländern durch die infizierten Zwischengebiete hindurch nach der Küste ermöglichen.

In industriellen Einrichtungen und Leistungen haben die Städte des Küsten­landes große Fortschritte gemacht. Europäische Bauindustrie, insbesondere Tischlerei und Schmiederei, Sägewerke und Zementfabrikation, europäische Buchdruckerei und -binderei, Bierbrauerei, Bäckerei und Fleischwarenfabrikation, Sattlerei, Öl-und Seifenfabrikation usw. kommen gut vorwärts, aber das wenig einbringende kleine Handwerk wird nach wie vor von Indern und anderen Farbigen betrieben, mit deren Bedürfnislosigkeit und klimatischer Widerstandskraft der Europäer nicht konkurrieren kann, noch soll (S. 98). Mehr sollte sich aber die Industrie der Europäer in den Küstenplätzen damit befassen, die einheimischen Rohprodukte an Ort und Stelle für den Konsum des Landes selbst zu verarbeiten, womit nur geringe Anfänge gemacht sind. Die Privatinitiative der europäischen Kaufleute und Industriellen findet bei den lokalen Verwaltungsbehörden volles Verständnis, Ermunte­rung und Unterstützung. Ein ähnliches Verhältnis scheint sich glücklicherweise endlich auch zwischen der Daressalamer Zentralverwaltung und den Pslanzern, Farmern und Plantagen­gesellschaften anzubahnen, nachdem sich die wirtschaftlichen Interessenten imWirtschaft­lichen Landesverband" eine gemeinsame Vertretung geschaffen haben.

9. Dcrs füöLiche Küstenhintertanö.

Das südliche Küstenhinterland, das wegen des nach Süden immer weiteren Zu- rücktretens des großen östlichen Randabfalles des Zentralplateaus nach Süden zu immer breiter wird, reicht vom oberen Terrafsenabsatz des Küstenlandstreifens westwärts bis an den Ostabfall Uhehes und Ungonis und in Südnordrichtung vom Rowuma bis an den Ruaha- Rufidji, wobei der Ruaha-Rufidji eingeschlossen ist. In dieser Umgrenzung stellt es ein Gebiet dar, das einen drei- bis viermal so großen Flächenraum einnimmt wie das vom Rufidji bis zur nördlichen Landesgrenze reichende nördliche Küstenhinterland.

Dem kleineren nördlichen Küstenhinterland gegenüber ist das große südliche ebenfalls eine geographische Einheit, die sich von der des nördlichen in vielen wesentlichen Eigen­schaften unterscheidet. Beiden gemeinsam ist die vorherrschende Oberflächengestalt als weite, leichtwellige Ebenen mit aufgefetzten kleinen Plateaus oder kleinen Gebirgsstöcken und Jnsel- bergen und ihr vorwiegender Vegetationscharakter als Steppe. Aber während das nörd­liche Küstenhinterland infolge seiner geringeren Breite nur relativ kurze Wasserläufe hat, ist das südliche Küstenhinterland zum größten Teil das Stromgebiet langer, weitverzweigter und in der Mehrzahl der Monate auch wasserreicher Flüsse. Geologisch unterscheidet sich das Südgebiet durch die große Ausdehnung der jungmesozoisch-alttertiären Makondeschichten vom Nordland, wo diese Ablagerungen fast gänzlich fehlen. Klimatisch gehört das Südland dem Passatklimagebiet an, das Nordland dem Bereich des Monsunklimas. Seiner Vegetation nach ist das Südgebiet überwiegend Steppenwald (Miombo) oder grasarme Baumsteppe, das Nordgebiet Baum- und Buschsteppe; tiergeographisch gehört es zum Verbreitungsgebiet