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Ostafrika.
Höhen von 1100 und 1200 iri gegenüber den kaum 300 m hohen Niederungen ringsum. Infolge dieses Höhen- und Temperaturunterschiedes steigen im Februar und März aus dem Tiefland dicke Nebel auf, die täglich von 7 Uhr morgens bis gegen Mittag die ganze Landschaft einhüllen und, an den Bergen langsam emporklimmend, viele Regengüsse entsenden, die eine kräftige Bergvegetation aufwachsen lassen. Eigentlichen Hochwald aber gibt es nur noch auf den Mbemba- und Mahogobergen im südlichen Upogoro, während er im übrigen Bergland durch die Eingebornen zerstört ist.
Diese, dieWapogoro, sind ein scheues, durch die langen Wangoni- und Wahehe- einfälle verängstigtes, hinterlistiges, stets feindseliges Bantuvolk von geringer Kultur ^161; 253^. Kein gemeinsamer Stammeshäuptling hält die Wapogoro zusammen, sondern jeder der vielen kleinen Jumben ist selbständig und meist in Fehde mit den Nachbarn. In die Upogoroberge sind die Wapogoro angeblich erst vor drei Jahrzehnten aus der südlichen Ulangaebene eingewandert, getrieben von Wangoni, Wabena und Wahehe. Also ist es hier wieder das schwer zugängliche Gebirge, das den bedrängten Ebenenbewohnern Zuflucht gewährt. Solange feindliche Überfälle zu fürchten waren, bauten die Wapogoro ihre Hütten in Felsspalten, die leicht zu verteidigen waren. Auch heute noch liegen die meisten der 10—20 Hütten umfassenden Dörfchen zwischen Felsen versteckt, aber die Sicherheit des Friedens, namentlich seit der Errichtung der Mahengestation in den Upogorobergen, hat viele Wapogoro ermutigt, sich auf freiem Feld anzubauen ^179; 197^.
Ihre Behausungen sind sehr niedrige, rechteckige Hütten mit grasigem Giebeldach. Darin lebt der Mpogoro mit seiner Familie und dem Kleinvieh, meist Ziegen, zusammen. Das tägliche Brot ist der dicke Hirse- oder Maisbrei, woneben die Felder noch Bananen, Reis, Bataten, Bohnen (L^amis und ?1ia8eo1us), Kürbisse und Gurken liefern. Auch Tabak wird angebaut, denn der Mpogoro ist ein starker Schnupfer, und bei allen Festlichkeiten trinkt er sich einen Rausch in Pombebier, zu dem ein großer Teil der Mtamaernte verwandt wird. Äußerst dürftig sind Kleidung und Schmuck der Wapogoro, erstere nur ein vor den Lenden hängender Lappen; und als Waffen dienen bloß einfache Bogen und Pfeile mit gefiedertem Rohrschaft, neuerdings auch Vorderlader. Alle Arbeit im Haus und auf den Feldern ist Sache der Weiber und Kinder, während sich der Mann mit dem Ausstreuen der Saat und dem eventuellen Fällen von Bäumen begnügt. Im übrigen verträumt er seine Tage im Nichtstun ^179; 19s, 201, 222^.
Auch die Wapogoro haben, wie die Wangindo und Wandonde, von den Küstenhändlern das Aufsuchen und die Gewinnung von Kautschuk gelernt, dessen Lianen im Buschwald Upogoros häufig waren. Aber auch hier hat der Raubbau die Quelle bald zum Versiegen gebracht und in der Folge zur Unzufriedenheit geführt, die 1905 im Aufstand gegen die Händler und gegen die deutsche Regierung zum Ausbruch kam. Nachdem die Station Mahenge vier Monate lang dem wiederholten Ansturm der Mahengescharen erfolgreich getrotzt hatte, ist der Friede und bessere Ordnung als je in das Land zurückgekehrt.
3. Die südlichen Ulanga - Zuflüsse.
Um die anderen Landschaften des Rufidjigebietes kennen zu lernen, folgen wir am praktischsten den großen Nebenflüssen des Ulanga-Rufidji von den Quellen zur Mündung in den Hauptstrom; wir beginnen im Osten mit dem Luwegu. Von seinem Ursprungsgebiet im südöstlichen Ungoni an nord- und nordostwärts fließend, durchbricht der Oberlauf