9. Das südliche Küstenhinterland. — Mahenge. Upogoro.
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der mächtigste Fürst über Wandarnba, Wabunga, Wapogoro und über seine Stmnm^ genossen, die Wabena (Watemekwira) und war als geschworener Erbfeind der Wcchehe, die ihre Beutezüge oft hierher ausdehnten, ein wertvoller Gefolgsmann der deutschen Regierung, bis der Aufstand 1905/06 auch seine Treue ins Wanken brachte. (S. Taf. 8, Bild 5.) Von Kiwangas Wabenaleuten hat die ältere Generation noch den kräftigen Gebirglertypus, aber der jüngere Nachwuchs ist in der heißen Fieberluft der Niederung schou degeneriert. Die meisten sitzen als Dorfschulzen (Wansagira) unter den Wandamba und treiben Ackerbau und Viehzucht.
Weiter im Norden scheint die Ulanga-Mahengebevölkerung hauptsächlich aus Wa - bunga zu bestehen, einem ursprünglich den Sulu zugehöriger Stamm, der von Ungoni her in die Niederung eingedrungen ist und die altangesessene Wandamba- und Wandonde- bevölkerung teils verdrängt hat, teils sich mit ihr vermischte. Besonders die Wangoni des Schabruma überrannten von Zeit zu Zeit als Mafiti oder Magwangwara von Südosten her ganz Mahenge bis an den Rufidji und bis ins Kilwahinterland und würfelten auch hier die Bevölkerung gründlich durcheinander. Wie die vorhin erwähnten Wabenaleute unter den unterworfenen Wandamba als herrschende Klasse sitzen, so sind auch hier die Wabunga überall die „Jumben" und „Sultane". Noch hat das Volk seine Sulusprache, Sulutracht und -sitten beibehalten ^159; 82. 178; 135,136^, aber es bestellt heute friedlich seine Felder, hauptsächlich mit Reis, Mais und Bataten, und geht dem Fischfang und der Jagd nach; Vieh wird wenig gehalten. Die Bevölkerungsdichtigkeit ist nicht sehr groß, aber einzelne Ortschaften haben doch für afrikanische Verhältnisse recht zahlreiche Bewohner, z. B. Fakara, das mit 1500 Einwohnern der größte Ort des ganzen Mahengebezirkes ist ^170; 48«^.
Daß unter den Feldbauprodukten Reis obenan steht, ward schon erwähnt, aber die Produktionskraft des Landes könnte noch viel mehr hervorbringen; und da auch Sorghum (Mtama), Mais, Zuckerrohr, Bananen, Bataten usw. in dem feuchtheißen Klima auf dem fetten Schwemmboden „wunderbar gedeihen und üppige Ernte liefern" ^219; 654^ und auch die dem Ulanga zugehenden Flußtäler am Ostfuß der Uheheberge viel Reis produzieren, so könnte das Ulangagebiet bei voller Ausnutzung der Niederungen „das gesamte Schutzgebiet mit Getreide versorgen" ^159; 82^. Nur eins fehlt hierzu, und zwar mit das Wichtigste: die Möglichkeit des Transportes von Massenprodukten zur Küste. Hierauf werden wir zurückkommen, nachdem wir auch die übrigen Landschaften des Rufidjigebietes kennen gelernt haben.
2. Upogoro.
Umflofsen von dem großen nördlichen Ulangabogen und seinem südöstlichen Zufluß Lorembero, erhebt sich über die weiten Niederungen und im schroffen Gegensatz zur Natur des umgebenden Mahengetieflandes das Bergland Up 0 g 0 r 0, auf dessen Ostabhang die Station Mahenge (1025 m) liegt. Das etwa 120 Km lange, von Südsüdwesten nach Nordnordosten streichende Gebirge ist aus Gneis aufgebaut und hat die Gestalt eines Jnselbergmassives.
Schon aus der Ferne gewährt das aus dem Flachland schroff aufsteigende Upogoro- gebirge einen imposanten Anblick durch seine wundervoll geschwungenen Konturen ^161; 252^. In nächster Nähe entzückt es den aus den ermattend heißen Steppenniederungen kommenden Wanderer durch die köstliche Kühle seiner Höhen und Schluchten, durch die Romantik seiner Felsszenerien, durch seinen Wasserreichtum und seine großartige Pflanzenentwickelung. Mit seinem höchsten zentralen Kamm (Muhulu) erreicht das Berglcmd
Das Deutsche Kolonialreich. I. ^