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Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
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Ostafrika.

Bambusdickichten von mehreren Kilometern Ausdehnung ab, durch die nur die Axt einen Weg bahnen kann. In keinem Bachriß, in keinem Wasserloch ist ein Tropfen Wasser mehr zu ergraben. Einzig die seltene Wasserliane vermag dem Durstigen noch etwas gallertige, fade Flüssigkeit zu liefern. Erstickende Hitze brütet über dem Boden, kein Wild läßt sich sehen, das zur Stillung des Hungers erlegt werden könnte. Wehe dem Un­kundigen, der sich in der trockenen Jahreszeit zu weit in diese Wildnis wagt; der Tod des Verschmachtens ist sein sicheres Schicksal, dem er nur durch einen glücklichen Zufall entgehen kann ^146; 51-59. 90; 329-334^. Nur der Elefant, der ungeheure Entfernungen in un­unterbrochener Wanderung zu durchmefsen vermag, um von einer Wasserstelle zur anderen zu kommen, hält sich auch in der Trockenzeit mitten in der Makuasteppe auf und wird sogar dort verfolgt von den jedes Wasserloch kennenden Makuajägern.

2. Die Landschaft Donde.

Das weite Hinterland von Kilwa und Mohoro ist westlich von der über der Küsten­zone aufsteigenden Randschwelle (Katikira-Matumbi) bis zum oberen Matandu hin eine riesige flache Ebene. Aber etwa von 38^ östl. Länge an ändert sich das Landschaftsbild des Kilw aHinterland es stark. Etwa von dem in den Matandu mündenden Liwalefluß an erhebt sich das Gelände stärker, indem gleichzeitig der von Verwitterungsschichten bedeckte Gneisboden in sandige Makondeschichten übergeht und die charakteristischen Jnselberge ver­schwinden. Mit der Erhebung des Terrains stellt sich auch größerer Wasserreichtum ein. In zahllosen kleinen, aber ost tief eingefchnittenen Bachtälern liegen hier die Wurzeln des ostwärts in den Indischen Ozean strömenden Matanduflusses einerseits und des nordwärts zum Rufidji fließenden Njenje-Marangandu anderseits. Und da auch in der Trockenzeit auf diesem sandigen niedrigen Plateau reichlich Wasser aus Gräben und Tümpeln erhältlich ist, so ist das von Bnschwald bewachsene Hügelland ziemlich dicht besiedelt. Es ist die Land­schaft Donde, die einzige große, nicht durch Felsenrefugien geschützte Oase in der von den Wangonihorden geschaffenen großen, menschenarmen Einöde des südlichen Küsten­hinterlandes. Nach Osten hin bis an die Randplateaus über dem Küstenland gibt es kleine Ansiedelungen nur ganz sporadisch am Matandu und am Mawudje, aber sie fangen seit Be­endigung der Wangoniraubzüge an, sich zu vermehren; und nach Westen gehen menschliche Wohnungen nicht über die oberen Matanduzuflüsse hinaus.

In dem östlichen, ebenen Vorland Dondes gehen die nördlich zum Matandu und südwestlich zum Mbemkuru gerichteten Bachmulden meist von kleinen Jnselbergen aus und führen in der sechs Monate langen, fast ununterbrochenen Regenperiode aus den umgebenden Steppen große Wassermassen in die Flüsse, wobei sie die Niederungen unter Wafser setzen. Vom Beginn der Trockenzeit an findet man nur Wafser in den kleinen fan­digen Alluvionen der Flußtäler und in trogartigen Depressionen, die von den Karawanen als natürliche Zisternen von Mitte Mai bis September benutzt werden ^175; 132, 133^. Selbst der Matandufließt" in den Trockenmonaten nur im Unterlauf, wo er von den Randbergen her permanent Wasser erhält.

Die Vegetation dieses breiten Ostvorlandes von Donde ist, wie im größten Teil Dondes selbst, lichter Buschwald oder Busch- und Baumgrassteppe. Trotz ihrergrauenhaften Eintönigkeit" variiert sie je nach der Bodenbeschaffenheit und erzeugt einige Abwechselung der Landschaftsbilder. Überall aber, wo in den Niederungen während der Regenzeit flache