Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Ostafrika und Kamerun / hrsg. von Hans Meyer
Entstehung
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Ostafrika.

vermehrten Exportes fähig. Raum genug für Eingebornenkulturen ist in dem durch die Wangonischrecken entvölkerten Stromland vorhanden, und mit der beginnenden Wieder- besiedelung entwickeln sich auch Handel und Wandel, zumal bei einem so tatkräftigen, unternehmungslustigen Volk wie den im Rowumagebiet dominierenden Wajao.

Schon lange kommen die Wajao des Ludjende in ihren Booten, hauptsächlich mit Tabak, bis zur Küste; 1907 wurde aus Mikindani für 37,924 Mk. Tabak exportiert, mehr als aus allen anderen Häfen zusammen. Wajao und Küstenhändler sahren auf dem Wasser- weg bis weit in den Ludjende und andere Flüsse des portugiesischen Gebietes hinauf und holen Kautschuk, Elfenbein und Wachs. Wachs wird auch am mittleren und oberen Ro- wuma überall gesammelt. An und auf dem Fluß aber besteht ein reger Lokalverkehr, namentlich im Mittellauf, wo der Austausch von Produkten wie der Verkehr der Men­schen hinüber und herüber in zahlreichen Einbäumen vor sich geht. So steht der Rowuma als Siedelgebiet der Neger und als Verkehrsweg hinter keinem der anderen Flüsse Deutsch-Ostafrikas zurück, obwohl er sür größere Fahrzeuge nicht schiffbar ist.

Die südlichen Steppenebenen (Malua, Donde usw.).

In unendlicher Einförmigkeit dehnt sich das südliche Küstenhinterland zwischen dem Rowuma im Süden und dem Rufidji im Norden, zwischen der bergigen Randschwelle im Osten und dem großen innerafrikanischen Plateauabfall im Westen aus. In welcher Rich­tung man auch diese weiten Länder durchziehen mag, ob von Lindi nach Westen, von Kilwa nach Südwesten oder vom mittleren Rufidji nach Süden, immer ist das Land­schaftsbild dasselbe: lange, flache, einförmige Bodenwellen oder Ebenen, aus denen in weiter Zerstreuung vereinzelte felsigeJnselberge" sich jäh emporheben, und da und dort einmal ein tiefeingeschnittenes Bach- oder Flußbett, das gewöhnlich nur in der Regenzeit Wasser hat. Über die Bildung der Jnselberge, die diesen Landschaften ihren eigentüm­lichen Charakter geben, haben wir im geologischen Kapitel (S. 29) ausführlich gesprochen. Im Süden ist das Land gleichmäßig überzogen mit einer ungeheuern Decke von laub­tragendem Trockenwald (Steppenwald, Miombo-Mischwald), im Norden mit unabsehbaren lichten Baumsavannen oder lichtem Buschwald. Menschliche Besiedelungen gibt es nur in der Osthälfte, und auch da nur spärlich und nur in den kleinen Oasen der Jnsel­berge oder der Flußdickichte, wo es zugleich Wasser, Ackerboden und schützende Verstecke gibt, während die ganze Westhälfte eine entweder von Natur unbesiedelbare wasserlose Buschwildnis ist oder ein durch die Wangoni entvölkertesPori". 14 Tage lang dauert im Süden die Reise von Massassi durch menschenleere Baumeinöde bis Ungoni, und im Norden 9 Tage von Barikiwa ebendorthin M, 1902; 231^.

Auch in der bewohnten Osthälfte sind die Siedelungen nur an den größeren Flüssen, die immer oder sast immer Wasser führen, etwas dichter gesät, wie z. B. an den Haupt­adern des Rufidji, Matandu, Mawudje, Mbemkuru, Lukuledi; aber auch diese besiedel­baren Zonen der Flußläufe sind nur ganz schmale Bänder in der großen Landschaft, und dicht daneben beginnt wieder die alles beherrschende weite Wildnis. Auch in den breiten, von den Flüssen durchschnittenen Lücken zwischen den kleinen Plateau- und Berggruppen der östlichen Randschwelle zieht sich derselbe kulturfeindliche Steppenwald und lichte Busch­wald bis an den Stufenabfall des Küstenstriches hinaus. Außer im Rufidjigebiet, nehmen die Siedelungen nur in der Landschaft Donde einen breiteren Raum ein.