9. Das südliche Küstenhmterland. — Makuasteppe.
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Wir werden uns die Natur dieses südlichen Küstenlandes am besten veranschaulichen, wenn wir zwei verschiedene charakteristische Landschaften, die Makua- oder Mlahisteppe in! Süden des Mbemkuru und die Landschaft Donde am oberen Matandu, schildern.
1. Die Makuasteppe.
Hat man, von Lindi westwärts ins Innere wandernd, das Mueravlateau hinter sich gelassen, so sieht man die unabsehbare Baumsteppe vor sich, in der bizarre Gneisinsel- berge da und dort am Horizont austauchen „gleich vereinzelten Bojen auf leichtbewegter See" ^90; 269). Noch findet man am Fuß der nacktfelsigen Jnselberge Bangala, Jlulu, Kiamwe usw. eine kleine Siedelung von armseligen, durch die Wangoni versprengten Wamuera, aber dann hört es auf. Im Bereich der Flüsse und Bäche steht in der Regenzeit (Dezember bis April) das Gelände weithin unter Wasser; in der Trockenzeit aber (Mai bis November) sind die Bach- und Flußbetten meist so völlig ausgetrocknet, daß niM einmal mehr Grundwasser durch Graben im Bett zu erhalten ist. Nur selten überdauert eine im Flußbett übriggebliebene Lache die Trockenmonate, wo dann ungeheure Wild» scharen zur Tränke gehen. Die Elefanten graben sich sogar, wo sie Grundwasser wittern, mit den Füßen bis zu 2 m tiefe Löcher, aus denen sie das Sickerwasser mit dem Rüssel auspumpen 312). Noch seltener bleibt am Fuß der größeren Jnselberge ein frischer Quell das ganze Jahr über lebendig.
Die Umgegend der in den Flußbetten oder in Terrainmulden der Steppe stehengebliebenen Tümpel ist denn auch in der Trockenzeit das ergiebige Jagdrevier der des Weidwerkes besonders beflissenen Wamakua, die von Süden oder Südosten her aus den Bergen von Madjedje, von Massassi oder vom Lukuledi aus wochenlang die Wildnis durchstreifen und vor allem dem Elefanten nachstellen. Bei diesen Wassertümpeln der Flußbetten ist in der Trockenzeit ringsum in den Bäumen und Büschen das Schwirren und Girren der Tauben, das tausendstimmige Konzert der Vögel, das Gekreisch der Assen ost ohrenbetäubend, im schärfsten Gegensatz zur angrenzenden Steppe, in der sich während des Tages kein Laut vernehmen läßt. Die Uferränder sind in diesen noch etwas Wasser bergenden Flußstrecken total zertreten von den großen Säugetieren, die nachts hier zur Tränke kommen, und breit ausgetretene Wechsel führen ins Flußbett selbst hinein. Das mächtigste Tierleben entfaltet sich tagsüber abfeits von den Dickichten der Fluß- und Bachläufe im Steppenwald und in der Baum- und Buschsteppe, wo diese mit reichlichem Gras und offenen buschigen Grasparzellen (Maramba) durchsetzt ist 351), denn diese bevorzugen fast alle großen Herdentiere. Da jedoch der Steppenwald des Südens an Grasflächen viel ärmer ist als die Landschaft weiter nördlich, werden wir die Fauna dieser Gebiete besser dort im Osten von Donde kennen lernen (S. 141).
Äußerst wildarm ist die Makuasteppe in den Trockenmonaten fernab von den Wasserstellen, wie in den weiten Räumen zwischen dem Mbemkuru und den Madjedjebergen. Auch der Charakter des Steppenwaldes wird dort starrer und feindseliger. Im Osten ist die Vegetation noch die obstgartenartige lichte Baumgrassteppe wie weiter im Norden; von Massassi an nach Westen aber ändert sich das Vegetationsbild, der Baumwuchs wird spärlicher, das Dorngestrüpp unter den Bäumen und das dazwischen den Boden bedeckende rohrähnliche hohe Gras desto dichter. Große Waldparzellen der messerscharfen ^eaom tiorriäa, über denen pinienförmige Baumeuphorbien emporstreben, wechseln mit harten