Teil eines Werkes 
A (1895) Grundzüge der Pflanzenverbreitung in Deutsch-Ost-Afrika und den Nachbargebieten
Entstehung
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kann und von einer breiten Wasserfläche eine reiche, der umgebenden Vegetation vortheilhafte Verdunstung ausgeht. Wo die Flüsse tiefer einschneiden, kann nur schmaler Galleriewald entstehen, wo dagegen die Ufer etwas flacher sind und das Grundwasser sich ausbreitet, treten breitere Waldmassen auf, welche als Oasen des Steppenlandes anzusehen sind. Ausserhalb der Nachbarschaft der grossen Seeen, wo überhaupt andere Verhältnisse maassgebend sind, sind derartige Oasen selten. Die berühmteste und grossartigste ist die von Taweta, welche sich auf dem Alluvium des von Gebirgsbächen reichlich und dauernd gefüllten Lumiflusses entwickelt. Da, wo der Uferwald an die Steppe grenzt, finden sich häufig Akazien, Tamarindus indica, Kigelia mit ihren breiten Kronen, mächtige Adansonia und Ficus, die sonst nur vereinzelt in der Steppe Vorkommen, gesellig vereint. Der geschlossene Uferwald enthält mächtig entwickelte Baumformen, namentlich Ficus mit 2530 m hohen Stämmen, zahlreiche Schlingpflanzen und viele Farne, letztere jedoch mehr in grosser Individuenzahl, als in grosser Mannigfaltigkeit der Arten. Auch Raphia- Palmen mit Blättern von 1518 m Länge und bescheidenere Phoenix treten hier auf. Gesammelt wurde bisher in der berühmten Waldoase von Taweta noch wenig, die wenigen Kräuter, welche Dr. Hans Meyer von da mitbrachte, wie Adiantum Capillus Veneris, Panicum geminatum, Fuirena pubescens, Piper subpeltatum, Phyllanthus rotundifolius, Impatiens Kirkii finden sich auch in anderen feuchten Wäldern des tropischen Afrika. An den Reich­thum der Gebirgsschluchtenwälder reicht derjenige der Alluvialwälder sicher nicht heran; der Ruhm dieses Waldes beruht wohl auch weniger auf der Mannigfaltigkeit der Vegetationsformen, als vielmehr auf der üppigen Entwickelung der vorhandenen Pflanzen und auf den Kulturen, welche unter dem Schutz des Waldes und in P'olge des reich entwickelten Netzes von Wasserrinnsalen ge­deihen. Versteckt liegen im Walde zahlreiche kleine Mais-, Yams- und Zucker­rohrfelder, und grosse Flächen sind von Bananenhainen bedeckt.

Die Landschaften Kahe im Süden des Kilimandscharo und Arusha im Süden des Maeru-Berges verhalten sich ähnlich wie die Oase von Taweta, sind aber nicht von gleicher Ueppigkeit. Ferner können wir das Thal des Mkondokwa zwischen den Gebirgsländern von Nguru, Usagara und Ukami hierher rechnen, desgleichen auch das ausgedehnte, hier und da von Marschland unterbrochene Waldland am Ulanga und Ruaha, welches zu den fruchtbarsten Gebieten Ost­afrikas gehört. Nicht minder waldreich sind die Ufer des Rovuma und Lugenda, und in dem ersteren treten auch dicht bewaldete, lianenreiche Inseln auf (Pro- ceeding of the R. Geogr. Soc. 1887, S. 467 ff.).

V. Die Uebergangsformationen an den Abhängen der ostafrikanischen Gebirgsländer gegen die Steppe,

Am Fuss der höheren ostafrikanischen Gebirge, an deren Abhängen und in deren Schluchten unter dem Einfluss der feuchten Seewinde Waldformationen aufkommen, sind Uebergangsformationen anzutreffen, welche namentlich durch das vom Gebirge zeitweise herabkommende Wasser begünstigt werden, mitunter auch durch dieselben gegen die vom Inland her kommenden trockenen Winde geschützt sind. Die Uebergangsformationen, welche sich am Ostfuss der Gebirge entwickeln, zeigen mehr Uebereinstimmung mit der Flora des Gebirgs- waldes und der Flora des unteren Buschlandes; die Uebereinstimmung mit der letzteren ist um so grösser, je mehr das über die Uebergangsformationen