Teil eines Werkes 
A (1895) Grundzüge der Pflanzenverbreitung in Deutsch-Ost-Afrika und den Nachbargebieten
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6

C. Die Flora des ostafrikanisehen Festlandes.

I. Die Formationen des Strandlandes.

Ia. Mangrovenbestände.

Während der grösste Theil der Kiiste des ostafrikanischen Festlandes einen blendend weissen Strand darbietet, oberhalb dessen entweder Buschgehölze oder die durch Cocospalmen und Mangobäume charakterisirten Pflanzungen der Eingeborenen bemerkbar werden, tritt uns in der Umgebung der Flussmündungen des Umbo-Yimbo, des Sigi, des Rufu-Pangani, des Rufidschi und anderer Flüsse, besonders schön entwickelt bei Muoa, im W. der Mansabucht, bei Tanga, bei Kokoma zwischen Tangata und Pangani, mehrfach auch an Küsten ohne Fluss­mündungen, so von Samanga-Kilwa bis Mtompiani, dunkelgrüner Mangroven- walcl entgegen, eine P'ormation, welche an allen tropischen Küsten, sowohl der alten, wie der neuen Welt angetroffen wird und sich namentlich in der alten Welt überall aus Vertretern derselben Pflanzenfamilien, wenn auch nicht immer aus denselben Arten zusammensetzt. Der erste Eindruck dieser, an der deutsch­ostafrikanischen Küste von den Eingeborenen Kokoni genannten Waldungen, welche sich auch stellenweise an den Flüssen aufwärts in das Land hineinziehen, ist ein ziemlich einförmiger. Dringt man zu Schiff während des höchsten Wasser- stancles der p'luth in die Mangrovenwaldung ein, dann bemerkt man fast nur die über die Wasserfläche emporstehenden Kronen, welche in ihrem dichten Gezweig hellgrüne lederartige längliche oder lanzettliche oder verkehrt-eiförmige gegen die Zweigspitzen zusammengedrängte Plätter tragen, und die von den Zweigen älterer Bäume herabhängenden, zahlreichen, umgekehrt bimförmigen Früchte, denen die I4 Decimeter langen keulenförmigen Stämmchen der Keimlinge entspringen. Erst weiter oberhalb treten Bäume mit schmalen grauen Blättern auf, in der Tracht an unsere Weiden erinnernd und aus kleinen zusammen­gedrängten gelben Blüthen einen betäubenden Duft ausströmend. Mat man dagegen Gelegenheit, den Mangrovenwald zur Zeit der Ebbe vom Wasser entblösst zu sehen, dann erstaunt man über die zahlreichen und mannigfachen Wurzelbildungen, welche an den Bäumen des Mangrovenwaldes auftreten und welche von dem, was wir sonst von Waldbäumen zu sehen gewohnt sind, so abweichen, dass wir zum Nachdenken über die Bedeutung dieser Wurzelbildungen angeregt werden. Den Botanikern ist die physiologische Bedeutung der eigen­artigen Organisation der Mangrovengehölze wohlbekannt, da mehrere Forscher, ganz besonders F. W. Schimper und G. Karsten, in den Tropenländern die Entwicklung und den Bau der Mangrovenbäume eingehend untersucht haben, nachdem zuerst Warming die irrthiimlichen Ansichten über die Lebensweise von Rhizophora Mangle durch eine zutreffende Darstellung berichtigt hatte. Da aber diese Vegetationsschilderung auch für Nichtbotaniker bestimmt ist und diese gerade auch an der Mangrovenformation hervorragendes Interesse haben, so will ich es versuchen, die einzelnen den Mangrovenwald zusammensetzenden Baumformen kurz zu besprechen.*)

Die häufigste und am weitesten in das Meer vordringende Art ist Rhizo­phora mucronata, nach Holst von den Eingeborenen Mkoko genannt, durchschnittlich 710, selten mehr als 20 m Höhe erreichend. Die Bestände

*) Hierbei entnehme ich Vieles der Abhandlung von G. Karsten: »lieber die Mangrovcn- Vegetation im malayischen Archipel«; es ist die Benutzung dieser Darstellung zulässig, weil die Bestandtheile des ostafrikanischen Mangrovenwaldes eben auch im malayischen Archipel Vorkommen.