36
IV. Die Formationen des Inlandes mit langer Trockenperiode.
1. Die xerophilen Formationen des Inlandes.
Ueberall da, wo im tropischen Afrika entweder während einer längeren Regenzeit reichliche Feuchtigkeit gespendet wird, oder während des grössten Theiles des Jahres hindurch Seewinde den dem Meer oder grossen Binnenseen zunächst liegenden Landstrecken Wasserdampf zuführen, kann, sofern nicht völlig ungünstige Bodenverhältnisse im Wege stehen, eine grössere Anzahl von immergrünen oder dauerblättrigen Gehölzen gedeihen, mit denen sehr oft auch einzelne blattwerfende vergesellschaftet sind; dies ist einerseits in der Nähe der ganzen deutsch-ostafrikanischen Küste der Fall, anderseits an den dem Meer zugekehrten Abhängen der höheren Gebirge, welche beide unter dem günstigen Einfluss der feuchten Seewinde stehen. Uie kräftigen Regen, welche der Siid- west-Monsum dem Küstenland während der grossen Regenzeit zu Theil werden lässt, die Regenschauer, welche nach der grossen Regenzeit erfolgen, auch die während der kleinen Regenzeit im Oktober und November fallenden Niederschläge begünstigen in den Küstenstrichen eine reichliche immergrüne Vegetation, die, wie wir sahen, in den Buschgehölzen von Holzgewächsen zahlreicher Familien zusammengesetzt wird'. Aber landeinwärts ist die Regenzeit viel kürzer und erst in den höheren Gebirgen können wieder häufiger reichlichere Niederschläge erfolgen, die ebenfalls die Erhaltung immergrüner Sträucher befördern. Die Verhältnisse liegen um so günstiger, je mehr, wie in Usambara und Ukami das Gebirge der Küste genähert ist, da werden an den vom Gebirge herunter kommenden Flüssen die günstigen Bedingungen für die Existenz der dauerblättrigen Sträucher erheblich gesteigert. Ganz anders aber in dem westlich der ostafrikanischen Gebirge gelegenen Inland (Ugogo und Massaisteppe), sowie in den Gebieten, in denen, wie nördlich vom Umba, erst in grosser Entfernung von der Küste einzelne isolirte Gebirge über die Ebene oder Hochebene sich erheben. Wohl ist auch da in den oberen Regionen der Gebirge in Folge der dort stattfindenden Kondensation des Wasserdampfes eine zur Massigkeit und Ausdehnung der Gebirge im Verhältniss stehende mehr oder minder reiche dauerblättrige Flora anzutreffen; aber sie erstreckt sich nicht weit hinab, da die Bäche unten sehr bald versiegen. So ist denn das immergrüne Buschgehölz, welches sich in dem Küstenland von Englisch-Ostafrika von Vanga bis Malindi erstreckt, nur eine täuschende Koulisse, hinter der sich sehr bald in viel grösserer Ausdehnung die eigentliche Steppe des inneren Ostafrika bemerkbar macht, anfangs anregend durch die über ihr herrschende Klarheit der Luft, durch die Eigenartigkeit vieler Vegetationsformen, welche wohl auch im Küstenland an trockenen Stellen sowohl Deutsch- wie Englisch-Ostafrikas vereinzelt angetroffen werden, nun aber in Massen wirken, anregend auch durch das reiche Thierleben; schliesslich aber ermüdend durch die oft viele Tagereisen lang andauernde Einförmigkeit. Und doch bietet gerade die eigentliche Steppe dadurch, dass sie zeigt, bis zu welchem Grade mancherlei auch sonst zu beobachtende Anpassungen an anhaltende Trockenheit vorschreiten können, des Interessanten genug; aber leider sind die Verhältnisse nur selten derartige, dass der durch die Steppe wandernde Reisende sich einem intensiven Studium der interessanten Vegetationsformen hingeben kann und leider sind auch diese oft so geartet, dass sie einerseits eine vollständige Konservirung für eingehendes Studium in der Heimath nicht gestatten, andererseits in den europäischen Gewächshäusern aus Samen oder Stecklingen gezüchtet nur selten zu einer Entwicklung gelangen, welche der im Steppenklima erfolgenden einigermaassen nahe kommt. Es ist