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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
Entstehung
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Bebauungsfähigkeit von Ungoni.

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liehen dasselbe Anwendung, was oben (S. 51) über das im Osten angrenzende Hügelland gesagt worden ist. Gleich letzterem ist das Vorland gegenwärtig unbewohnt, weist aber an manchen Stellen Spuren einer früheren Besiedelung auf und wird, nachdem jetzt dauernd friedliche Zustände eingekehrt sind, gewiss bald wieder eine, wenn auch spärliche Bevölkerung anlocken. Die natürliche Bewachsung des Gebietes besteht je nach dem grösseren oder geringeren Lehm­gehalte des Bodens entweder aus einem ganz ansehnlichen, unterholzreichen lichten Laubwalde (Myombo-Walde) oder aus einer dürftigen, stark durch­sichtigen Baumgrassteppe.

In erfreulichem Gegensatz zu dem unbewohnten Vorlande steht das Hoch­land Ungoni, das von Ssongea an so starke Siedelungen aufweist, wie sie im Innern Ostafrikas nicht häufig Vorkommen. Neben dem Gebiete des Ssongea selbst ist namentlich der Landstrich von Mangüa ab westwärts durch zahlreiche und grosse Dörfer ausgezeichnet. Der Ort Mangüa mit etwa 500 Einwohnern enthält als Wohnsitz einer Anzahl von Arabern zahlreiche, nach Küstenart mit Lehmverputz gebaute Häuser. Unter den Eingeborenen-Dörfern ist Maposseni westlich von Mangüa als Sitz des Tshamtshai, des bedeutendsten Häuptlings nach Mlamilo, zu nennen. Die Residenz des Mlamilo wird südlich von der Route, etwa in der Richtung auf die steile Felskuppe des Mara-Berges, gezeigt. Jenseits des Rovuma ist das Land, wie aus dem Vorhandensein vieler frischer Rodungen an den Hängen der Bergzüge hervorgeht, keineswegs unbewohnt. Die Dörfer liegen aber meist so versteckt, dass sie vom Wege aus nur selten zu sehen sind.

Die Siedelungen sind meist an den rothlehmigen Verwitterungsboden des Gneisses gebunden. Die sandigen Bodenpartieen pflegen unbebaut und unbesiedelt zu sein. Die Fruchtbarkeit des rothen Lehmbodens ist allem Anschein nach noch grösser als in der Gegend von Massassi. Sie wird ver- muthlich durch die hohe, freie, den Seewinden offen zugekehrte Lage des Landes günstig beeinflusst. Das Land ist bei dieser Lage verhältnissmässig reich an Niederschlägen. Zahlreiche, auch in der Trockenzeit nicht versiegende Rinnsale durchziehen das Land in allen Richtungen.

Der Feldbau der Eingeborenen verräth viel Fleiss und Sorgfalt. Wenn Lieder*) darüber sagt:

»Auf den Ackerbau, der überall Hackfeldbau ist, wird überall grosse Sorgfalt verwendet. Nirgends in ganz Deutsch-Ostafrika habe ich derartig gut gehaltene Aecker gesehen als im Wangonilande. In langen Reihen stehen zur Ackerzeit die Leute und werfen mit ihren riesigen Feldhacken, die mit beiden Händen am langen Stiel geschwungen werden, die etwa 2 m breiten Beete auf, in die gesäet wird. Bei der korrekten Anlage dieser Beete gewinnt der Acker ein vollkommen europäisches Aussehen«, so kann ich diese Worte nach dem, was ich selbst in Ungoni und später in anderen Gebieten Deutsch-Ostafrikas gesehen habe, nur bestätigen. Sollte es in Ungoni künftig zur Anlage von Plantagen unter europäischer Leitung kommen, wozu die Fruchtbarkeit des Bodens, die gesunde Höhenluft und die nicht zu grosse Entfernung von der Wasserstrasse des Nyassa-Zambesi wohl einladen, so werden die Unternehmer eine in landwirthschaftlicher Arbeit tüchtig vorgebildete Bevölkerung vorfinden, und wird bei der grossen Volkszahl, die in dem Hochlande ihren Sitz hat, an Arbeitern kein Mangel sein.

VI. Marsch von Luhagarra bis zur Mündung des Ruhuhu in den Nyassa.

16. bis 18. Februar.

1. Oberflächengestaltung (Uebersicht). Die Landsenke von Luhagarra- Ruanda enthält ein ziemlich hügeliges Gelände, das von zwei starken, nach

*) a. a. O. S. 103,