ZWEITES KAPITEL.
Reise von Lindi über Massassi und Mangüa nach der Ruhuhu-Mündung am Nyassa und zu Wasser weiter nach Langenburg.
Vom 13. Januar bis 20. Februar 1896.
A. Reise-Vorbereitungen.
Auf dem Postdampfer, den wir zur Rückfahrt von Tanga nach Dar-es-Salam benutzt hatten, war auch der kommissarische Bezirksamtmann von Langenburg, v. Eltz, nach Ablauf eines Heimathsurlaubs wieder in Dar-es-Salam eingetroffen.
Nach Bestimmung des Gouverneurs sollte ich mich mit meinem Gehilfen Schwarz einer durch v. Eltz nach dem Nyassa zu führenden grösseren Karawane anschliessen, um dort nunmehr die Aufsuchung der nach v. Eltz’s Mittheilungen im Nordwesten des Sees muthmaasslich vorhandenen Kohlen-Vorkommnisse in die Hand zu nehmen.
Der Marsch zu Lande nach dem Nyassa wurde der ursprünglich geplanten Fahrt auf dem Wasserwege, über den Zambesi und Shire, aus mehreren Gründen vorgezogen, obwohl die Kosten der Expedition bei der grossen Zahl der auf Beförderung wartenden Lasten auf dem Wasserwege erheblich geringer ausgefallen sein würden. Die Gründe waren, dass es erstens wünschenswerth erschien, die deutsche Flagge im Süden des Schutzgebiets nach längerer Pause wieder zu zeigen, und dass ferner mir persönlich Gelegenheit geboten werden sollte, die geologischen Verhältnisse des Südens näher kennen zu lernen, um danach die Frage erneut prüfen zu können, welche Aussichten sich der Auffindung von Steinkohlen in diesem Gebiete darbieten möchten. Das Gouvernement hatte immer noch die Hoffnung, dass der Geologe G. Lieder zu ungünstig geurtheilt habe, wenn er nach den in den Jahren 1893 und 1894 von ihm ausgeführten Reisen die Meinung geäussert hatte, dass an eine Forterstreckung der im portugiesischen Mozambique-Gebiete bei Ituli am Ludyende- Idusse, zwei Tagereisen südlich von der deutsch-portugiesischen Grenze, vorkommenden Steinkohlen in deutsches Gebiet nicht zu denken sei.
Der kürzeste Landweg nach dem Nyassa würde der im Jahre 1894 von Hauptmann Ramsay in umgekehrter Richtung eingeschlagene Weg von Kilwa durch Donde und über Mangua nach Wiedhafen gewesen sein. Da infolge der Heuschreckenplage aber Hungersnoth in ganz Donde herrschen und diese Noth weiter im Süden weniger schlimm sein sollte, wurde bestimmt, dass unsere Karawane den von Lindi nach Mangua führenden Weg benutzen sollte. Diese Bestimmung erschien auch aus dem Grunde gerechtfertigt, weil sich im Bereiche