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Zur Oberflächengestaltung und Geologie Deutsch-Ostafrikas : Ergebnisse der von dem Bergassessor W. Bornhardt in den Jahren 1895 - 1897 in Ostafrika unternommenen Reisen ; Mit 27 Tafeln in Lithographie und Lichtdruck und zahlreichen Abbildungen im Text ; In besonderer Mappe: 4 topographische, 4 geologische Specialkarten im Maassstabe von 1:500000, 2 Tafeln Profile und 1 Uebersichtskarte mit Einzeichnung der Reiserouten im Maassstabe von 1:2000000 / Veröff. im Auftr. und mit Unterstützung d. Kolonial-Abth. d. Auswärt. Amtes. Die topogr. Kart. konstr. und berab. von P. Sprigade und M. Moisel
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Zweites Kapitel. C. 1. 1.

Am 9. Februar wurde das stark besiedelte Gebiet des Ssongea, des am weitesten östlich wohnenden Wangoni-Häuptlings, erreicht. Zwei Tage später traf die Karawane in Mangua, dem Wohnsitze des vom Gouverneur Frh. v. Scheele zum Akiden im Wangoni-Lande bestellten Arabers Raschid bin Massud, ein. Hier wurde der Marsch auf drei Tage unterbrochen, v. Eltz benutzte die Zeit zu Verhandlungen mit den Wangoni, deren Hauptergebniss die Einsetzung eines neuen Oberhäuptlings, des Mlamilo, an Stelle des vor mehreren Jahren verstorbenen Mharuli war.

Mit frischen Kräften ging es danach am 14. Februar dem Nyassa zu, der in fünf Tagemärschen am 18. Februar bei Ngoma am Siidufer der Ruhuhu- Miindung erreicht wurde.

Hier erwartete uns der Gouvernements-Dampfer »Hermann von Wissmann«, der uns am 20. Februar in siebenstiindiger Fahrt nach Langenburg brachte.

Von Massassi bis Mangua war der von der Karawane eingeschlagene Weg derselbe, den G. Lieder im Anfänge des Jahres 1894 auf dem Marsche von der Mbamba-Bay am Nyassa nach Kiswere südlich von Kilwa benutzt hatte. Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse der Reise Lieders ist nach seinen Tagebuch-Notizen in v. Danckelmans Mittheilungen 1897, S. 95 ff. veröffent­licht worden. Die Darstellung enthält wenig geologisches, dafür aber ein um so reicheres ethnographisches Material und ergänzt dadurch in willkommener Weise die vorliegenden Mittheilungen, in denen das Gebiet der Ethnographie ganz gemieden worden ist.

C. Ergebnisse der Reise.

I. Lindi und Umgebung.

1. Oberflächengestaltung und Geologie. Lindi theilt mit den übrigen Hafenplätzen des südlichen Deutsch-Ostafrikas den landschaftlichen Vorzug vor den im Norden gelegenen Küstenorten, dass hier ein bis zu mehreren hundert Metern Seehöhe aufragendes Hügelland bis dicht an die Küste herantritt.

Das Hügelland wird gerade bei Lindi durch eine tiefe und breite Thal­senke unterbrochen, die sich von der geräumigen »Lindi-Bucht«, als ihrer äussersten Ausmündung, in südwestlicher Richtung in das Land hineinzieht.

Indem das Seewasser von der Sohle dieser Thalsenke auf mehr als 20 km Länge Besitz ergriffen hat, wird ein tief in das Land hineinreichender Meeresarm, der »Lindi-Kriek«, gebildet, der bei der ansehnlichen Mittelbreite von fast 1000 m, die er bis 7 km oberhalb der Stadt Lindi besitzt, ganz das Aussehen der Mündung eines grossen Stromes hat. In Wirklichkeit mangelt ihm ein grösserer, insbesondere ein schiffbarer Zufluss, und nimmt er nur einige wenig bedeutende Zuflüsse auf, unter denen der aus der Gegend von Massassi kommende Lukuledi der wichtigste ist.

Einen guten Ueberblick über die Formen des Geländes in der näheren und weiteren Umgebung der Stadt gewinnt man von dem der Stadt gegenüber auf der Ostseite des Krielcs in 125 m Seehöhe errichteten »Sanatorium«, einem bescheidenen, einstöckigen Gebäude, das von Erholungsbedürftigen aus Lindi hin und wieder aufgesucht wird. Das Landschaftsbild Nr. 1, Tafel VII, ist von diesem Punkte aus gezeichnet. Von einem etwas tiefer gelegenen Standort ist die hier beigeheftete Photographie (Tafel I) aufgenommen worden, Beide Bilder sollen den nachfolgenden Mittheilungen zu Grunde gelegt werden.

Dicht hinter der Stadt erblickt man zunächst einen licht bewaldeten Hügelzug, dessen sanft gerundete Formen vermuthen lassen, dass er aus leicht angreif­baren Schichten besteht. In der That sind es dunkle thonige und zum Theil