Print 
Aus Kiautschous Verwaltung : die Land-, Steuer- und Zollpolitik des Kiautschougebietes / von W. Schrameier
Place and Date of Creation
Page
218
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

218

abzuführenden Prozentsatzes zu machen. Zugleich, legte es als Forderung fest:Selbst wenn die deutsche Regierung sich dazu verstehen sollte, die Beschränkung des Freihafengebietes durch­zuführen, müßte unter allen Umständen die Zollfreiheit aller für industrielle Zwecke eingeführten Waren sowie der aus anderen Ländern als China stammenden Rohstoffe, die im Schutzgebiete verarbeitet und nach der Verarbeitung wieder ausgeführt werden, gesichert bleiben." Das Zollamt versprach unter Anerkennung der verlangten Zollfreiheit für gewisse Waren einen an das Gou­vernement abzuführenden Prozentsatz von 10% des Einfuhr­zolls; ein derartiges Abkommen bedürfe jedoch der Genehmigung der chinesischen Regierung. Der Prozentsatz müsse in gewissen Fristen neu geschätzt werden.

C. Voraussetzungen für die Schaffung eines beschränk­ten Freibezirks an Stelle des Freihafens.

Hand in Hand mit diesen durchaus unverbindlichen Verhand­lungen gingen umfangreiche Erhebungen behufs Feststellung der im Schutzgebiete selbst konsumierten und von auswärts be­zogenen Artikel. Der Natur der Sache nach war bei dem Fehlen zahlenmäßiger Angaben nur eine auf absolute Zuverlässig­keit keinen Anspruch erhebende Schätzung möglich. Durch Erkundigungen bei Personen der verschiedensten Gesell­schaftsklassen und Lebensgewohnheiten wurde der Durchschnitts­betrag ermittelt, den ein Europäer monatlich für den Verbrauch europäischer Gegenstände zahlt. Aus dieser Statistik, so unvoll­kommen sie auch war, ging immerhin unzweifelhaft hervor, daß bei Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Faktoren der vom Zollamte angebotene Prozentsatz weit hinter der Wirklichkeit zurückblieb. Das Gouvernement mußte also ab­lehnen, auf der Grundlage des Angebots des Seezollamtes das Pro­jekt der Freihafenbeschränkung der vorgesetzten Behörde und der Bürgerschaft gegenüber zu vertreten.

Erst nach Klärung der Stimmung in der kaufmännischen Bevölkerung Tsingtaus und den interessierten Kreisen der Hei­mat wurden im Juli 1905 die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufgenommen. Es war klar, daß das Gouvernement, wollte es überhaupt zu der Beschränkung des Freihafengebiets die Hand bieten, seine Einwilligung von gewissen Forderungen abhängig