Print 
Deutschlands Kolonien in achtzig farbenphotographischen Abbildungen : nebst einer farbigen Karte der Kolonien / nach eigenen Naturaufnahmen von Dr. R. Lohmeyer, Kunstmaler Br. Marquardt und Photochemiker Ed. Kiewning. Mit erläuterndem Text von Dr. W. Scheel, Direktor des Realgymnasiums zu Nowawes bei Potsdam
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Zur Einführung.

ls man in Deutschland begann an eine Kolonisation zu denken, war die Welt eigent- lich schon verteilt. Engländer, Spanier, Portugiesen, Franzosen hatten in Afrika, Asien, Australien und Amerika weite Strecken und Gebiete unter ihr Protektorat gestellt und daraus allmählich Kolonien und Kolonialreiche entwickelt. Als Deutschland nach der Einigung im Jahre 1870/71, und nicht einmal bald danach, überhaupt daran dachte, außerhalb Europas Kolonien zu gründen, war daher sowohl die Besitzergreifung wie die Auseinandersetzung mit den Nachbarn in Europa wie im Auslande mit größeren Schwierigkeiten verbunden.

Dazu kam noch etwas anderes. Dauernd ertragreich konnte die wirtschaftliche Aus­breitung über See nur durchgesetzt werden, wenn eine starke Flotte vorhanden war, um den deutschen Kaufleuten im Auslande und in den Kolonien wirksamen Schutz gegen Angriffe und Übergriffe jeglicher Art angedeihen zu lassen. Die Entwicklung der Kriegs­flotte des Deutschen Reiches aber, die aus der kleinen preußischen Marine und der Marine des Norddeutschen Bundes hervorgegangen war, vermochte noch lange Jahre mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des Reiches nicht Schritt zu halten.

Daher ist es erklärlich, wenn der leitende Staatsmann des neuen Deutschen Reiches, Fürst Bismarck, in gerechter Würdigung dieses Llmstcmdes sich nur ganz allmählich in eine Expansionspolitik Deutschlands einlassen wollte, und noch im Jahre 1880, als die sogenannte Samoa-Vorlage im Reichstage abgelehnt wurde, es klar und unum­wunden aussprach, daß eine Kolonialpolitik nur dann von Erfolg begleitet sein dürfte, wenn die Masse des Volkes dafür einträte.

Wenige Jahre später war jedoch der Gedanke eines Eintritts in die Reihe der Kolonialmächte in und für Deutschland zur Reife gediehen, und derselbe Bismarck brachte am 24. April 1884 durch sein berühmtes Telegramm an den deutschen Konsul in Kapstadt England und den anderen älteren Kolonialmächten gegenüber zum Aus­druck, daß nunmehr Deutschland gewillt sei, die wirtschaftlichen Interessen seiner Kauf­leute in Afrika und sonst in der Welt zu schützen. Dieser Tag war der Geburtstag der deutschen Kolonien.

Freilich mußte nun auch die Flotte damit Schritt zu halten versuchen. Die Aufwärtsentwicklung unserer Kriegsflotte ist in der Geschichte der Flotte und Kolonie gleicherweise untrennbar verbunden mit der Person Kaiser Wilhelms II., der von seinem Regierungsantritte an gerade hierauf in weitem Blick für die Erfordernisse einer Entwicklung Deutschlands in größerem Maßstabe sein Augenmerk gelenkt und

Deutschlands Kolonien. 1