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menhängen im Chaos der Stämme Neuguineas wäre zurzeit verfrüht. Nur so viel steht fest, daß der im Vorhergehenden beschriebene Haustypus von den aus dem unteren Stromgebiet bekannt gewordenen (43) gänzlich verschieden ist.
Der Typus des Hordenhauses von der Oktoberflußmündung ist stromaufwärts bis zu den letzten Uferhütten, die wir sahen, zu verfolgen, stromabwärts reicht er sicher bis zum Dorfe 31, vielleicht auch noch etwas weiter ostwärts. Dann aber tritt an Stelle der hohen, zahlreichen, schmächtigen Stangen - Gerüstpfähle mit seitlicher Hängever- schnürung der Last (siehe S. 5) eine geringere Anzahl verhältnismäßig kurzer, starker Stamm-Stumpfpfähle mit Tragbelastung der breiten Endflächen. Die offenen Giebelhallen verschwinden und die Giebelfront wird umwandet oder schräg überdacht. Das ist es, was schon bei flüchtiger Vorbeifahrt vom Wechsel im Baustil erkennbar ist. Genaue Aufnahmen von Hütten aus dem unteren Teile des Stromlaufs werden hoffentlich bald einen weiter eingehenden Vergleich ermöglichen.
Wenden wir uns nun den Eingeborenen selbst zu. Eine
c) Vergleichende Betrachtung des materiellen Besitzes der Anwohner unserer zweiten Stromstrecke ist nach mehrfacher Richtung interessant.
Mit dem .Übergang der ersten in die zweite Stromstrecke fällt zufällig ein Wechsel der Männertracht zusammen. Längs der unteren Stromstrecke, etwa bis zum Dorfe 24, sind, soweit die Männer nicht völlig nackt gehen, Schamschurze in Mode, die von einer Lendenschnur herabhängen. Der Schamschurz, der als einziger bei dem Dorfe 9, Moim, zu erwerben war (siehe Taf. XLL, f), besteht aus einem 30 cm langen, am Ende vollkommen zersplissenen Grasbart. Die Halme sind durch bügeiförmige Rotang-Schnürungen in Bündel zerteilt; vorn wallen sie frei herab, hinten zwängen sie sich durch eine geflochtene Rotang-Kapsel von Dreiecksgestalt mit röhrig ausgezogener Spitze, durch die sie dann wieder frei nach außen treten. Der gras-gefüllte Rotang-Gitterwulst trägt einen Henkel für die Lendenschnur.
Diese und andere Schurze im unteren Stromgebiet weichen nun in der zweiten Stromstrecke einer Tracht, die die Anwohner des Stromes auf den ersten Blick den Eingeborenen des Nordbereichs nähert. Beim Dorfe 29 überraschten uns Penis- kapseln. Sie treten hier gleich in drei wesentlich verschiedenen Formen auf. Die eine Art Penis- kapsel (die nicht einzutauschen war) stellt eine etwa
9 cm lange, weite Röhre dar, wie es schien aus dunklem Holz geschnitzt, mit einem Kranz von kleinen Meeresschnecken geziert.
Stattlicher ist die zweite Form der Peniskapsel. Es ist ein Bambuszylinder (siehe Taf. XLL, i) von 15 cm Länge mit eingebrannten Ringeln in der Mitte und Zacken am Einsteckende. Das freie Ende mit weiter Öffnung ist kegelförmig zugeschnitten und die Nachahmung der Eichel noch besonders durch Bräunung vom hellen Glied abgesetzt. Das Zustutzen des freien Endes geschieht zuweilen mit solcher Annäherung an die Natur, daß man den faltigen Saum der übergezogenen Vorhaut im Umkreis des orificium urethrae zu sehen glaubt.
Am sonderbarsten muten uns in Form kleiner Trompeten geflochtene Penisrohre an (siehe Fig. 15 und Taf. XLL, k); sie stehen, rund 26 cm lang, schnurgerade, wagerecht vom Leibe ab. Um den
Fig. 15. Geflochtenes Penisrohr eines Mannes aus der Gegend des 29. Sepik-Dorfs.
Penis fest in diese Hülle zu bringen, umwickelt ihn der Mann mit einem Stück Flughaut vom fliegenden Hund und steckt einen dünnen Fingerknochen des Tieres, der an der Haut erhalten geblieben ist, durch die Penishülse, so daß er an der vorderen Öffnung wieder heraustritt. Danach führt er den umwickelten Penis in die Hülse ein, drückt ihre hintere Öffnung an den Schamberg und zieht durch die vordere schnell die Flughaut durch.* So wird der Penis, den sie umschließt, in ganzer Länge ohne Vorhaut-Hindernisse hineingezogen. Die Flughaut, die damit ihre Pflicht getan hat, steckt der Mann dann in den Armring zurück.
Stromabwärts gingen eine Strecke weit die Männer wieder nackt; auch stromaufwärts, beim Ankerplatz XII., traten wieder völlig nackte Männer an unser Abendlager.
Dann aber folgten Peniskapseln (siehe Taf. XLL, h) von äußerst realistischer Gestalt. Man braucht von keiner Idee über die Psychologie der Schambedeckung voreingenommen zu sein, der naive Anblick allein zeigt deutlicher als alle Theorie,