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raten, vor allem von Schilden, auf die sie, zum Tausch einladend, wie Marktbudenbesitzer wiesen.
Vertraut gemacht, umschwärmten sie uns oft mit kleinen Flottillen ihrer Kanus und hielten sich mit ihren Rudern längsseits unserer fahrenden Boote, bis der Tauschhandel abgeschlossen war.
Die Kanus sind im ganzen Stromgebiet im wesentlichen einheitlich gebaut, so daß es vorerst gleichgültig ist, bei welchem Dorfe wir sie näher betrachten. Es sind (wir nehmen die von Tscheß- bandai als Typus, siehe Fig. 12. Einbäume von durchschnittlich 8 m Länge und % m Bodenbreite zwischen den ebenso hohen, schwach einwärts gekrümmten, plankenlosen Bordwänden. Die Spitze des vollen, ausschießenden Bugs ist als Kroki idilk<>pf geschnitzt. Am Hinterende erniedrigen sich die Bordwände, schräg abgestutzt, zum Kanuboden, der hier seinerseits flach ansteigt. Dieses Fehlen eines Hinterverschlusses wird verständlich, wenn man die Männer ihre Boote besteigen sieht: Sie springen in das seichte
Wasser und legen das Kanu längsseits dicht an das Ufer; dann knieen sie in das flache, offene Hinterende und steigen ein, indem sie ein Ruder zur Wahrung des Gleichgewichts in den Uferboden stemmen. Der Verschluß des Einsteige-Endes wird häufig durch einen vorgewälzten Lehmklumpen hergestellt.
Die Männer rudern stehend (siehe Taf. XXVIII.), den einen Fuß häufig auf die Bordwand gestellt. Die schweren, dreimeterlangen Riemen (siehe Taf. XLIV., c) sind am oberen Ende häufig mit dicken, schwarzen Federbäuschen in Pyramidengestalt mit weiß beschopfter Spitze geschmückt; ihr schlankes Blatt läuft in zwei Spitzen aus, zwischen denen der sichelförmig eingezogene Rand beim Haltsuchen an Uferbäumen gegen Abgleiten schützt.
Die Weiber rudern, in Kniebeuge auf den Fersen sitzend, mit kurzen, ungeschmückten, blattförmig auslaufenden Riemen.
Die Riemen, die dem leichten Kanu mühelos gute Fahrt geben, dienen nebenbei, ruhig eingetaucht, zum Steuern und zur Herstellung- des Gleichgewichts, das bei diesen schmalen Fahrzeugen ohne Tiefgang äußerst labil ist. Aber wenn auch der Schwerpunkt bei stehender Besatzung noch so ungünstig verlegt wird, sie wissen die lebendige Last gut auszubalancieren, — selbst bei eiliger Flucht, wie wir einmal sahen, als wir oberhalb des 29. Dorfes auf der Talfahrt einen Festzug von 21 Kanus, mit rund 200 Menschen bepackt, die Vorderenden mit dem Bootsschild (siehe Taf. XLV., i)
Mitteilungen a. d. D. Schutzgebieten, Ergänzungslieft ii.
mehr geschmückt als bewehrt, die Männer im Kriegsschmuck, uns selbst unerwartet aufscheuchten. Wir waren eben im Begriff, Vorbereitungen zu treffen, um uns, wenn nötig', unserer Haut zu wehren, als auch schon der Abstand zwischen uns über Bogenschußweite wuchs, und nach kaum 5 Minuten waren sie, von der Dämmerung vor neugieriger Verfolgung geschützt, in einem fernen Seitenarm verschwunden.
Friedlicher wiederholte sich im Lmterlauf, wenn wir in der Nähe eines Dorfes ankerten, das Bild des sinkenden Tages, wenn der Tauschhandel gut gegangen war und erst mit dem letzten Abendschein die Silhouetten der Boote und Männer im Uferdunkel verschwanden.
An den lockenden Kulturen vorbei, die den Unterlauf des Sepik begleiten, fuhren wir ohne Anf-
Fig. 12. Einbaum von Tscheßbandai.
1 / c7 natürlicher Größe.
enthalt allmählich in eine zweite, anders geartete Stromstrecke ein. Wir charakterisieren sie kurz als
B. Die Mäanderstrecke des scharfen Gegensatzes wechselseitiger Abtragung und An- ladung in weichgründigem Bett.
Die Grenze dieser zweiten gegen die erste Stromstrecke ist am sinnfälligsten durch einen Wechsel im Gesamtbild der Ufervegetation bezeichnet. Im unteren Stromlauf ist junger und alter Wald stellenweise zwar zu unterscheiden, aber der Gegensatz ist räumlich verwaschen: Jungbusch tritt sowohl an den Konvexitäten der Uferlinie (hier am ehesten noch in geschlossenen Beständen als Llfer- wald) als an deren Konkavitäten auf (hier meist als regellose Einstreuung in das Gehölz der Sumpfgrasflächen). Ferner sehen wir an beiderlei Uferstrecken Schilf aufschießen als Erben des Waldes, den der Strom zum Absterben gebracht hat, auch ohne ihm unter den Wurzeln den Boden weggeräumt zu haben.
In der Gegend des 29. Dorfes vollzieht sich ein Wechsel in diesem Verhältnis von Strom und Ufervegetation. Gleichzeitig werden von hier ab aufwärts die Mäander kleiner und zahlreicher: dieselbe Kilometerzahl, die der Strom in der ersten Strecke mit zwei Schlingen durchläuft, durchläuft er in du zweiten Strecke mit dreien.
Auch das Gefälle wächst. Rechnen wir die zweite Stromstrecke vom Dorfe 29 bis /.tun XXV. Ankerplatz, so kommen auf 410 km Lauf-