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Forschungen im Inneren der Insel Neuguinea : Bericht des Führers über die wissenschaftlichen Ergebnisse der deutschen Grenzexpedition in das westliche Kaiser-Wilhelmsland 1910 / Leonhard Schultze
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gelbe Blüten, auf kurzem Stiel zusammengezwängt, regen-erfüllt unmittelbar aus dem nassen Boden brechen. Lilien mit Cordylinc lateralis, Narzissen mit einer neuen, steifstengeligen Curculigo, und gelbblütige Kompositen tauchen bald hier, balb dort auf.

In Lichtungen deckt gern ein Farn, die Dry- opteris prolifera, breite Flächen, die Wedelspitze zu langen Wurzeln und Sprosse treibenden Ausläufern ausgewachsen, Sprosse auch aus den Achseln der Fiedern treibend.

Gräser stellen in Oxytenanthera braehythyrsa einen virtuosen Kletterer. In Waldsümpfen treten zuweilen Cyperaceen zu einem zweimanns-hohen Ried zusammen. Neben dem Panicum patens, das uns schon im Jungwald begegnete, tritt in kleinsten Gruppen das P. sanguinale mit silberig behaarten Blattscheiden und die Eleusine indica in Altwald- Lichtungen auf.

Demselben Lebensbezirk gehören von Kräu­tern eine Acanthacee, die weiß blühende Hemigra- phis Blumeana und Brennesselgewächse an wie Elatostemma und Pipturus incanus mit polster- und kurzstielig - kugelförmigen Blütenständen in den Blattachseln. Auch eine Commelinacee, die Forrestia hispida, ausgezeichnet durch rotviolette Blüten, die dicht gedrängt aus dem fleischigen Stamm da ent­springen, wo die pelzigen Ränder der Blattscheide zusammentreten, gehört hierher.

Im übrigen schließen sich Gräser und kleine Kräuter mit Vorliebe auf dem sonnigen Bröckel- r a n d der P r a 1 1 u f e r zu kleinen Rasen von Cyperaceen oder Apluda mutica und zu blühen­den Beeten zusammen, in denen Rubiaceen mit klei­nen, vierzackigen, weißen Trichterblüten, Ama- ranthaeeen mit stachcl-kugcligcn Blütenständen in den Blattachseln des hohlen, fleischigen Stengels, Wolfsmilchgewächse mit Euphorbia pilulifera und vor allen anderen schwach violett-blütige Scrophu- lariaceen mit Lindernia crustacea und Ilysanthes veronieifolia vertreten sind.

3. Die Anwohner

der zweiten Slromstrecke unterscheiden sich von denen der unteren zunächst in der

a) Verteilung der Siedelungen.

Mit dem 29. Dorf enden die kompakten, hütten­reichen, ufernahen Siedelungen mit dem dichten Menschengewimmel, das den Ankömmling er­wartet. Stromaufwärts folgt jetzt eine rund 200 km lange, fast menschenleere Uferstrecke. Hier sind die Siedelungen wahrscheinlich in einiger Entfer­nung vom Fluß im Walde versteckt, und nur der

Zufall führte einmal zu einer Begegnung mit Weibern und Kindern in Begleitung von 14 Bogenschützen.

Nur ein einziger Bananengarten zeugte auf der langen Strecke von Kultivierung des Uferrandes; aber Unterkunftshütten, mehr oder weniger roh auf das Prallufer gesetzt, beweisen, daß die Wald­bewohner zu Zeiten sich doch auch am Fluß zu schaffen machen.

Das Flußufer selbst aber wählen sie erst ober­halb des 690. Kilometers der Stromlänge wieder zur Wohnstatt. Aber die Wohnart ist, von der Bauart des Hauses selbst abgesehen, von der der unteren Stromstrecke wesentlich verschieden: Es stehen zu wenig Hütten beieinander, als daß man von Dörfern sprechen könnte. Entweder rücken die Hütten zu drei, vier, sechs, höchstens acht, weilerartig nahe zusammen, oder sie stehen einsam wie Gehöfte am Waldrand, als große Hordenhäuser oder als kleinere Behausungen, die sich oft weit genug voneinander entfernen, daß man an ihrer Zusammengehörigkeit zweifeln könnte, wenn nicht als vereinigendes Band Gärten zwischen ihnen lägen oder die Erfahrung zeigte, daß die Kanus der Gartenbauern in wenigen Minuten die trennenden Kilometer nehmen. Viel­leicht stellt auch ein Pfad quer durch den Wald, die Flußschlinge abschneidend, eine noch kürzere, ver­steckte Verbindung her.

Die Gärten machen einen ungepflegteren Ein­druck als die der Stromdörfer im Unterlauf. Ba­nanen überwiegen bei weitem. Taro und Tabak traten nur vereinzelt auf. Maniok wurde nur in einem Garten der 30. und Süßkartoffeln in einem der 43. Siedelung gesehen; doch mögen sich diese weni­ger auffallenden Gewächse öfters dem Blick ent­zogen haben. Betel- und Kokospalmen sind fast stets Wahrzeichen der Siedelungen auch längs dieser fernen Stromstrecke.

Als Typus einer solchen Siedelung sei eine Be­hausung betrachtet, die rund 1 km stromaufwärts von der Mündung des Oktoberilüßchens (siehe Sepik-Karte II, Blatt 2) hinter einem breiten Flach­ufer der rechten Flußseite am Waldrand steht. Wir haben hier, wie wir es nennen wollen,

b) ein Hordenbaus vor uns, das etwa 50 Menschen birgt. Eine Kopf­zählung war bei der Unruhe, die unser Besuch brachte, und dem häufigen Verschwinden im Busch und dem Wiedererscheinen der Aufgestörten nicht genau durchzuführen. Doch waren die erwachsenen Männer, die uns zu etwa 20 zu Gesicht kamen, in der Überzahl; wir sahen nur 15 Frauen und unge­fähr ebensoviel Kinder und Halberwachsene ver­schiedenen Alters.