Capitel V.
Die Kameranküste in allgemeiner sanitärer und hygienischer Hinsicht.
Die Kolonie Kamerun steht nicht mit Unrecht in dem Ruf ausserordentlicher Ungesundheit.
Zuverlässige statistische Erhebungen über die Mortalität besitzen wir erst seit 1891. Vorher wurden die Todesfälle nicht regelmässig amtlich konstatirt resp. in besonderen Listen zusammengestellt, wie es jetzt durch die mit standesamtlichen Befugnissen versehenen Bezirksämter in Victoria, Kamerun, Kribi und neuerdings Edea geschieht. Immerhin lassen die von mir bei den verschiedenen im Kamerungebiet ansässigen Missionen, Handels- und Plantagcngesellschaften angestellten Nachforschungen, welche von diesen ausnahmslos in der dankenswertbe- sten Weise unterstützt und gefördert worden sind, zum mindesten erkennen, dass eine wesentliche Acnderung in der Sterblichkeit seit etwa 10 Jahren in der Kolonie nicht eingetreten ist.
In den Jahren 1890—95 waren durchschnittlich etwa 200 Europäer zu gleicher Zeit in der Kamerunkolonie angesessen. Die Bewohnerzahl 1 ) hat sich letzthin regelmässig jährlich um ein nicht unbeträchtliches vergrössert.
Die Zahl der jährlichen Todesfälle schwankte zwischen 17 und 25, die durchschnittliche Mortalität betrug 11,2 pCt. Zu berücksichtigen ist, dass dieselbe aus kleinen Zahlen berechnet ist und dass, wie in jeder jungen afrikanischen Kolonie ein nicht unbeträchtlicher Theil der Todesfälle auf äussere Gewalt zurückzuführen ist.
Zu einem Vergleich geeignet sind die Militärstatistiken älterer tropischer Kolonien. Van der Burg hebt mit Recht die Unzuverlässigkeit der allgemeinen Statistik ihr gegenüber hervor, und zum Vergleich ist dieselbe auch insofern besser geeignet, als es sich in Kamerun einstweilen
1) Die jeweilige Bewohnerzahl von Kamerun wechselt durch Tod, Urlaub und Erholungsreisen nicht unbeträchtlich. Die verwertheten Zahlen beruhen auf den meist Mitte des Sommers seitens des Gouvernement aufgestellten Präsenzlisten.