Oapitel IV.
Die nicht auf. Malariainfektion beruhenden Krankheiten in Kamerun.
Abgesehen von den stets wechselnden Krankheitsbildern., welche die .Malaria dem Arzt an der Kamerunküste vorführt, ist die Pathologie derselben im ganzen arm zu nennen, namentlich wenn man sie mit derjenigen des tropischen Ostafrika vergleicht. Die Erklärung ist nicht schwer zu geben. An der Westküste wohnt eine ethnologisch grössten- theils einheitliche Negerbevölkerung', nach einzelnen kleinen, ihrer Ban- delsinteressen wegen gegenseitig auf einander eifersüchtigen und einander feindselig gesinnten Stammesgenossenschaften streng geschieden. Soweit nicht, die Uebermacht des Europäers oder eines zeitweis den Nachbarn überlegenen Stammes vorübergehend gewaltsam die eifersüchtig gehüteten Grenzen sprengt, findet zwischen den einzelnen nur ein geringer Verkehr statt. Die aus dem Innern kommenden Waaren werden an der Grenze des folgenden Stamms an diesen verhandelt und von ihm weitergegeben, soweit der Handelnde es nicht vorzieht, durch Erlegung beträchtlicher Abgaben an jeden Stamm, durch dessen Gebiet sein Weg führt, sich die Erlauhniss zu dem immerinn auch dann noch nicht ungefährlichen Durehmarsch zu erwirken. Dass ein solches Absperrungssystem auch ein recht wirksamer Schutz gegen die Verbreitung mancher infektiöser Krankheiten ist, darf nicht bezweifelt, werden. In Ostafrika, wo jährlich in grossen Karavanen viele Tausende von Menschen verschiedener Rassen und Stämme das ganze Gebiet von den grossen Seen nach der Küste durchwandern und für den Austausch der ihnen eigentümlichen Krankheiten ebenso wie für den ihrer Waaren sorgen, liegt die Sache anders. Nach dem tropischen Westäfrika findet seiner geographischen Lage wie seines berüchtigten Klimas wegen eine Einwanderung nur in sehr beschränktem Maasse statt und fast nur von Europäern, unter diesen wieder nur von solchen mit besonders fester Constitution und unzweifelhafter Gesundheit. Ein Import fremder, nicht der Westküste eigentümlicher Krankheiten ist unter diesen Umständen begreiflicher Weise wesentlich mehr erschwert als an der Ostküste, wo seit Jahr-