Capitel I.
Physikalische und klimatische Verhältnisse von Kamerun.
Etwa zwischen dem 8°30' und 15° östlicherTänge und dem 10°30' und 2°2' nördlicher Breite gelegen ist die deutsche Kamerunkolonie, in ihrer ganzen Ausdehnung im eigentlichen Sinne ein tropisches Land. Ihre für die europäische Bewohnerschaft z. Z. fast allein in Betracht kommende Meeresküste sammt dem den unteren Flussläufen entsprechenden Tiefland gehört völlig der äquatorialen Zone an. Die erstere bildet die einzige natürliche Grenze der Kolonie, im Uehrigen wird dieselbe gegen die umgebenden englischen und französischen Besitzungen fast ausschliesslich durch ideale mathematische Linien gebildet.
Der westliche Rand des im Mittel ca. 800—1000 m hohen central- afrikanischen Hochplateaus, welchem auch der weitaus grösste Theil der Kamerunkolonie angehört, umschliesst bogenförmig einen schmalen Tieflandstreifen, der durch die Ablagerung von Sinkstoffen, theils Produkten der Gesteinsverwitterung, theils der Urwaldvegetation von den das Pla- teau in westlicher Richtung durchbrechenden Flüssen gebildet wurde und mit geringer Neigung nach dem Meer sich absenkt. Scharf markirt wird die Grenze zwischen dem steil und vielfach terrassenförmig sich vollziehenden Abfall des Plateaus und dem Küstentiefland durch die Wasser- fä 11c, welche beim Eintritt in das letztere die zahlreichen, auf dem Hochland entspringenden und in westlicher Richtung dem atlantischen Ocean zufliessenclen Flüsse bilden, der Kamerunfluss, Sannaga, Njong, Lokundje, Kribi- und Campofluss. Die Entfernung dieser Wasserfälle von der Mündung bezeichnet zugleich die Breite des Tieflands und offenbart die Bogenform, in welcher der Abhang des Hochplateaus nach dem Innern zu dasselbe abschliesst. Im Süden bei Kribi treten die Ausläufer desselben unmittelbar an die See heran und die Küstenbäche fallen direct in Kaskaden in diese hinein, weiter nach Norden zieht der Plafeaurand sich von der Küstenlinie zurück, in der Breite des Njong beträgt die Breite der Küstenebene ca. 60 km, in der des Sannaga über 80. Noch weiter nördlich biegt der Plateaurand mehr nach Westen um und vereinigt sich mit dem