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Zielpunkte des deutschen Kolonialwesens : zwei Vorträge ; [1. Vortrag gehalten auf Veranlassung einer freien Vereinigung von Gelehrten und Künstlern am 8. Januar 1907 ; 2. Vortrag gehalten auf Veranlassung des Deutschen Handelstages am 11. Januar 1907] / gehalten von Bernhard Dernburg
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Anlage 2 zum ersten Vortrag.

Denkschrift des Gouverneurs über die Besiedelung Deutsch-Südwestafrikas.

Windhuk, den 19. September 1906.

Deutsch-Südwestafrika zu einem Gegenstande der Anziehung für die deutsche Auswanderung zu machen, ist zur Zeit eine der wichtig­sten Aufgaben der Kolonial- und der Schutzgebietsverwaltung. Die Mittel und Wege zur Erfüllung dieser Aufgabe werden in erster Linie durch die natürlichen Verhältnisse des Landes vorgeschrieben. So günstig diese in den meisten Teilen des Landes in bezug auf Klima, Vorbedingungen für Viehzucht und vielfach auch für Bergbau liegen, so lassen sie doch gewisse wesentliche Voraussetzungen vermissen, die für die Niederlassung Weißer im größeren Umfange nötig sind. Daher muß das Bestreben der Schutzgebietsverwaltung zunächst da­rauf gerichtet sein, diese Voraussetzungen im Lande zu schaffen und sie möglichst günstig und für die Besiedelung förderlich zu gestalten. Diese Voraussetzungen sind: Wasser an der Erdoberfläche und gute Verkehrswege. Sind sie vorhanden, so ergeben sich von selbst als weitere Maßnahmen der Verwaltung behufs Ermöglichung und Förde­rung der Ansiedlung: zweckmäßige Vermessung und Zuweisung des Landes an Ansiedler unter günstigen Bedingungen.

Mit diesen grundlegenden Anschauungen über die Aufgaben der Besiedelung, die auch die Bevölkerung des Schutzgebiets teilt, möchte ich von vornherein der Auffassung begegnen, daß es möglich wäre, die Besiedelung dieses Landes gleichsam von Staats wegen nach einem bis ins einzelne festgelegten Programme zu leiten.

Die Verwaltung kann ihre Aufgabe nicht darin erblicken, in die Besiedelungstätigkeit direkt eingreifen oder sie leiten zu wollen, etwa durch eine unter staatlicher Leitung und auf staatliche Kosten bewerkstelligte Verpflanzung von Familien hierher. Gegen die Rat­samkeit direkten staatlichen Eingreifens in Leben und Tätigkeit des Ansiedlers spricht auch die Erwägung, daß in einer Kolonie viel