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Zielpunkte des deutschen Kolonialwesens : zwei Vorträge ; [1. Vortrag gehalten auf Veranlassung einer freien Vereinigung von Gelehrten und Künstlern am 8. Januar 1907 ; 2. Vortrag gehalten auf Veranlassung des Deutschen Handelstages am 11. Januar 1907] / gehalten von Bernhard Dernburg
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Anlage 1 zum ersten Vortrag.

Bericht des Prof. Dr. Hahn und des Farmers Schlettwein in der Kommission für den Reichshaushalts-Etat am 12. Dezember 1906.

Referent Abgeordneter Dr. Spahn bittet zunächst Professor Dr. Hahn zu hören. Es frage sich, ob die Bahnlinie Lüderitzbucht Keetmanshoop die richtige sei, oder ob es nicht besser sei, nach Be­thanien und Gibeon hinaufzugehen.

Professor Dr. Hahn : Die Teile von Deutsch-Südwest, welche bei der Besiedlung des Landes in Betracht kommen, sind der mittlere Teil das Hereroland und der südliche Teil das Namaland. Einen gewissen Anhalt zur Bewertung dieser Länder bietet ein Ver­gleich dieser Länder mit anderen Ländern Südafrikas. Und wenn wir da Rundschau halten, stellt es sich heraus, daß das Hereroland der Ost­provinz des Kaplandes und dem Freistaat gleicht, nur daß im Frei­staat fast gar kein Baumwuchs ist, während das Hereroland sehr baumreich ist, und daß das Namaland der Karoo gleicht, das heißt dem mittleren und nördlichen Teil des Kaplandes.

Man hat nun oft in Deutschland sagen hören, diese Länder in Deutsch-Südwest seien wertlos. Das ist ja bis zu einem gewissen Grade berechtigt, wenn wir diese Länder mit der Magdeburger Börde, der goldenen Au, dem Rheingau und anderen gesegneten Gefilden Deutsch­lands und Europas vergleichen. Wenn wir uns aber in Südafrika um­sehen, so finden wir viele Strecken und große Teile, die viel wertloser sind, z. B. der nordwestliche Teil von Griqualand West, ein Teil von Betschuanaland, von Kamas Land, die Kalahari. Aber selbst diese Länder sind voll Wild, es leben dort Eingeborene, und man trifft dort viele Ansiedler. Also eine Wüste sind selbst diese Länder nicht, und England hat es der Mühe wert gehalten, sie zu besetzen.

Die Besiedlung der Karoo begann im Anfang des vorigen Jahr­hunderts. An verschiedenen Orten wurden größere und kleinere Stau­dämme angelegt, es wurden an geeigneten Orten Brunnen angelegt, und später wurde an vielen Orten das Wasser durch Bohrungen ge­wonnen. Fast überall in der Karoo wird das Wasser durch Wind­motorpumpen gehoben. An diesen Wasserstellen siedelten sich erst einige Farmer an, es kamen mehrere dazu, so entstanden kleinere Dörfer, die allmählich zu größeren Dörfern und kleinen Städten, die