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Vortrag
gehalten auf Veranlassung einer freien Vereinigung von Gelehrten und Künstlern am 8. Januar 1907.*)
eine Herren, wenn Sie gütigst zugestimmt haben, mich hier vor Ihnen zu hören, so ist es wohl jedem von Ihnen klar gewesen, daß ich mich über die allgemeine Situation, wie sie sich durch die jüngsten und auch die früheren parlamentarischen Vorgänge gestaltet hat, nicht wohl äußern kann, und daß ich in meiner Stellung für die von der einen oder der anderen Partei vertretene These nicht eintreten kann. Es ist aber auch nach meiner Auffassung von dem Amte, welches ich bekleide, durchaus unnötig. Die Frage der deutschen Kolonien, ihre Behandlung und ihre Zukunft ist meines Erachtens ganz unabhängig von der Stellung, welche man im deutschen politischen Leben als Parteipolitiker einnimmt, sie ist unabhängig von der Konfession, sie ist unabhängig von der sozialen Stufe, auf welcher sich der Beurteilende befindet. Das Erfreuliche an den Kolonien ist gerade, daß sie ein verhältnismäßig freies Feld geben für die uneingeschränkte Betätigung eines zivilisierten Volks, wie des deutschen, nach der Richtung der Übertragung der ethischen Ideale, der kulturellen Fortschritte, seiner vorgeschrittenen wirtschaftlichen Entwicklung.
Wie es alle kolonisierenden Nationen erfahren haben, ist zwar die kolonisatorische Aufgabe eine schöne, aber auch
*) Hierzu zwei Anlagen, S. 53—88.