Teil eines Werkes 
Teil 2 (1913) Die Eingeborenen und die Kultivationspolitik
Entstehung
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IX.

Die afrikanische Politik Leopolds II.

Heutzutage wird kein Geschichtskundiger mehr Ein­spruch erheben gegen die ursprünglich nur von den So­zialisten vertretene Auffassung, dass Kolonialwirtschaft von jeher identisdi gewesen ist mitAusbeutung und Ausplünderung fremder Länder und Völker ohne alle Rücksicht auf Sitte und Gesetz, die in der Heimat einige Schranken auferlegen". 1 ) Schon Kant sei er nun Vorläufer des modernen Kapitalismus oder nicht hat sich in seinem 1795 erschienen Traktat Zum ewigen Frieden" (Abt. II; Art. 3) in sehr ent­schiedener Weise gegen die kapitalistische Kukiva- tionspolitik ausgesprochen. Die Ungerechtigkeit der industriellen Kulturstaaten gegenüber den aussereuro- päischen Ländern ist für ihnbis zum Erschrecken" gross. Nicht zum Zwecke eines friedlichen Verkehrs kämen die Europäer in diese Gebiete, sondern zu dem der Eroberung. Was speziell Indien anbelange, so hätten die Europäer unter dem Vorwand, bloss Handelsniederlassungen zu gründen, in dieses Land alle möglichen Übel gebracht.

Wir wollen hier von jedem dogmengeschichtlichen Exkurs über Kolonialpolitik absehen. Wenn auch erst

l ) Werner Sombart, Der moderne Kapitalismus. Erster Band. Die Genesis des Kapitalismus. Leipzig 1902. S. 325.

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