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Uber die Neger im allgemeinen und die Kongoneger im besonderen.
Obwohl man von der alttestamentlichen Dreiteilung des Menschengeschlechtes endgültig abgekommen ist, sind die Gelehrten immer noch weit entfernt, ein einheitliches Kriterium für eine allgemein anerkannte anthropologische Klassifizierung gefunden zu haben. Gegenwärtig scheint die Einteilung des französischen Anthropologen J. Deniker, die auf Haarbeschaffenheit, Haarfarbe, Nasenform und Augenfarbe abstellt, in weiten Kreisen als grundlegend angenommen zu werden. Von den sechs Gruppen, die J. Deniker 1 ) aufstellt, beschäftigt uns hier nur diejenige, deren Merkmale krauses 2 ) Haar und breite Nase bilden. Zu ihr gehören ausser den Negern die Buschmänner, die
') J. Deniker, Les Races et les Peuples de la terre, elements d'anthropologie et d'ethnographie (Paris 1900) p. 339 ss. Dieses Werk erschien gleichzeitig in London unter dem Titel: „The races of men".
2 ) Im Artikel „Menschenrassen" in Meyers Grossem Konversations- Lexikon (sechste Auflage 1906) heisst es bei Erwähnung dieser Gruppe Denikers „wolliges" Haar, was selbstverständlich unrichtig ist, denn „crepu" heisst „kraus" und nicht „wollig". Gleicherorts wird J. Denikers Werk über die Menschenrassen einzig und allein unter dem englischen Titel angeführt, als ob etwa der Bibliothekar des Museum zu Paris seine Schriften in englischer Sprache veröffentlichen würde, während es sich im vorliegenden Falle nur um eine, allerdings gleichzeitig mit dem Original erschienene, Ubersetzung handelt.
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