VIII.
Die Eingeborenen in kultivations- wirtschaftlicher Hinsicht.
Während wir im vorigen Kapitel fast ausschliesslich rein objektive, wissenschaftliche Aufschlüsse über die Neger zu geben in der Lage waren, handelt es sich in den nun folgenden Ausführungen um bedeutend heiklere Fragen. Es ist in der Tat immer ein missliches Ding, über den Charakter einer Rasse zu urteilen, da man gar zu leicht individuelle Eigenschaften für Rasseneigenschaften hält und vorschnell verallgemeinert. Die mir bekannten Kongo-Schriftsteller — A. J. Wauters inbegriffen — haben sich denn auch wohl gehütet, ein derartiges Kapitel in ihre Aufgabe einzubeziehen; ich aber bin der Ansicht, dass man ohne Berücksichtigung dieser Materie kaum zu einer richtigen Auffassung und Beurteilung der modernen Kultivationspolitik im allgemeinen und derjenigen Leopolds II. im besonderen gelangen könne.
Schon Theodor Waitz hat in der Vorrede seiner verdienstvollen Schrift „Die Negervölker und ihre Verwandten" (Leipzig 1860 S. V.) darauf aufmerksam gemacht, dass die Ansichten über die Neger und die Schilderungen des Negerlebens vielfach einseitig und selbst abenteuerlich sind: „Dies erklärt sich zunächst daraus, dass der einzelne Reisende immer nur ver-
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