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Der deutsche Feldzugsplan des katholischen KreuMgsheeres.
Der deutsche Feldzugsplan des Kreuzzuges ist der Hauptsache nach in der Schrift von G. Rösel: „Der Feldzug gegen die Sklaverei in Afrika, dessen Notwendigkeit, Ausführbarkeit und Organisation." Trier, Paulinus-Druckerei, 1889, mitgeteilt. Wie sich aus der oben ans Licht gezogenen Offenbarung des französischen Planes durch ein Mitglied der hohen katholischen Aristokratie schlagend herausstellt, sind die Deutschen in den letzteren, der jedenfalls der dem Kardinal Lavigerie bekannte und von der Gründung eines Kreuzzugs-Ritterordens ausgehende ursprüngliche Hauptplan war, nicht eingeweiht gewesen. — Oder die deutschen Leiter der Bewegung haben aus den in Paris mit den ersten Lineamenten des Projektes geinachten Erfahrungen dessen Unausführbarkeit in Deutschland erkannt und daher auch einige Hauptpunkte desselben fallen lassen. Inspiriert oder nicht, bekundet die Schrift Rösels etwas mehr Sachkenntnis als die des französischen Marquis, welche wir oben analysiert haben, allein das praktische Ergebnis daraus ist darum nicht minder ein bloßes Phantastespiel. Über den internationalen Charakter des Kreuzzuges sagt Herr Rösel:
„Von vornherein ist zu erwägen, ob die afrikanische Sklaverei auf internationalem oder kolonialnationalem Wege zu bekämpfen sei. Sobald es sich um Niederwerfung des Sklavenhandels und der Sklavenjagd auf dem Festlande handelt, ist der internationale Weg zu verwerfen, ausgenommen vielleicht im Kongostaat. An ein Operieren einer internationalen staatlichen Armee in den Kolonialländern ist gar nicht zu denken. Ganz abgesehen von den heiklen Punkten des Oberbefehls, der Beiträge, der Mannschaftenstellung würde eine solche Armee eine ganz neue Ausfassung des Völkerrechts bedingen. Eine internationale freiwillige Armee ist gleichfalls unmöglich, denn entweder läßt man sie schalten und walten — dann giebt sich der Koloniebesitzer einer internationalen Koterie Preis, eventuell seinem die Koterie beherrschenden Feinde, oder der Koloniebesitzer nimmt die Armee innerhalb seines Gebietes unter seinen Befehl, dann wird aus der ganzen Sache ein nationales Unternehmen auf internationale Kosten. Beide Wege schließen sich von vornherein aus. Jnternatio-