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Zweite Phase der Bewegung: Das Ausgeben der international-christlichen Richtung. — Stellungnahme der deutschen Reichsregierung, die Blockade und ihr kolonialpolitischer Hintergrund. — Die Deutsche Kolonialgesellschaft. — Die Thätigkeit der katholischen Afrikavereine und deren Erfolge. — Die letzten Ziele der umgewandelten katholischen Bewegung und die nationalen Interessen. — Stellungnahme der evangelischen Kirche. — Die internationale, speufisch-katholische KreuzzugSarmee von Frankreich und ihr FeldzugSplan. — Die ostafrikanische Eisenbahn. — Der deutsche Feldzugsplan. — Folgerungen.
Notwendiges Zusammengehen von England und Deutschland in Ostafrika.
Die wichtigste Folge der Gürzenich-Versammlung vom 27. Oktober 1888 war auf katholischer Seite die Gründung des Afrikavereins deutscher Katholiken, an dessen Spitze der Erz- bischof von Köln trat. In dem vom Verwaltungsausschusse am 1. Dezember 1880 erlassenen Ausrufe und in den beigefügten Satzungen des Vereins treten als bedeutsamste Thatsachen hervor:
1) Die Bezeichnung von „Deutsch-Ostasrika" als Operationsfeld.
2) Das Aufgeben eines gemeinsamen Vorgehens der ganzen europäischen Christenheit (obgleich sich zu Köln Männer beider Bekenntnisse brüderlich die Hand gereicht hatten, wie der Aufruf besagte) mit der Erklärung: „So lange durch Gottes Zulassung in unserem Vaterlande die Glaubensspaltung besteht, müssen wir das hohe Ziel auf getrennten Wegen zu erreichen, einander zu übertreffen suchen in Eifer und Opfern." Die geringe Höhe des Jahresbeitrages von 1 Mark sollte dem Vereine die allerweiteste Verbreitung sichern.
Infolge dieses Aufrufes nahmen sich alle katholischen Bischöfe Deutschlands der Sache an, empfahlen öffentlich den Berein und traten als Ehrenpräsidenten an deren Spitze. In der ersten Woche zählte man 10 000 Mitglieder. Auch in Österreich begann die Bewegung durch eine große, vom Fürsten Wrede nach Wien berufene Versammlung Fuß zu fassen, Major Karl v. Dobner wollte eine Expedition nach Afrika führen, um mit den Belgiern gemeinsam zu operieren. Letztere planten unter dem bekannten Afrikareisenden Storms vorzugehen und statt der verlangten 100 Mann 700 zu