Heft 
(2013) Bd. 10. Architektur der Zwanziger Jahre
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75
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Kaiser - Überblick Energieeffizienz und Denkmalschutz: Was tut sich in Deutschla

Roswitha Kaiser

Überblick Energieeffizienz und Denkmalschutz: Was tut sich in Deutschland?

Einleitung

War es vor zwei Jahren noch der globale Klima­schutz, der in der öffentlichen Diskussion sei­ner Auswirkungen auf die notwendige Energie- Effizienzsteigerung des geschützten Gebäude­bestands denDenkmalpflegern Kopfzerbrechen bereitete, so kommt aktuell die Energiewende hinzu, die neue Anforderungen in diese Debat­te bringt, während die erstere Diskussion noch andauert. Kein anderes Thema trifft das Selbst­verständnis und die geisteswissenschaftlichen Wurzeln der Denkmalpflege so in ihrem Kern wie diese neuen Herausforderungen.

In der Zwischenzeit haben sich allerdings Erkenntnisgewinne eingestellt, die mit einem leichten Vorzeichenwechsel einhergehen. Dazu folgende Feststellungen:

- Ohne die Einbeziehung des Gebäudebestan­des können die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht erreicht werden, die gestellten Anfor­derungen an die C0 2 -Reduktion sind nur in der Fläche zu lösen.

- Die öffentliche Diskussion um den »Verpa­ckungswahn« im Land der »Dichter und Dämmer« im Verbund mit der guten Netz­werkarbeit der Denkmalpflegeinstitutionen hat wesentlich zu einem Umdenken der po­litisch Verantwortlichen über die Berück­sichtigung der baukulturellen Belange bei­getragen.

- Die Bedarfsberechnung der baulichen Ener­gieeffizienz nach der Energieeinsparungsver­ordnung (EnEV) ist ein öffentlich-rechtlicher Standard, der mit dem tatsächlichen Energie­verbrauch nicht in Deckung gebracht werden kann.

- Die Novelle der Energieeinsparungsverord­nung (2013?) schwächt dämmtechnische For­

derungen ab, verschiebt das Forderungs­niveau jedoch in Richtung des erhöhten Ein­satzes erneuerbarer Energien.

- Die Konsequenzen der Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien an der Energie­erzeugung sind nicht mit einem stringenten interdisziplinären Konzept durch die poli­tisch Verantwortlichen begleitet worden.

- Viele Aspekte in der energiepolitischen Dis­kussion, die auch Auswirkungen auf den ge­schützten Baubestand haben, sind nach wie vor zu wenig berücksichtigt. Dazu gehören z. B. der zentrale Netzausbau und die Förde­rung dezentraler Netze für den Einsatz er­neuerbarer Energien, fehlende Speicherkapa­zitäten für Wärme, fehlendes Know-how für die Speicherung von Strom, sozialpolitische Konsequenzen der geforderten Investitionen zur Erhöhung der Energieeffizienz, die not­wendige Beeinflussung des Nutzerverhaltens, die Berücksichtigung der Energieeinsätze für Mobilität, die europäischen Vorgaben in der Abfallwirtschaftspolitik und die Ressourcen­schonung.

Zwei Themen, die uns im Denkmalschutz ak­tuell beschäftigen, sollen hier herausgegriffen werden.

Denkmalschutz, Windparks und Netzausbau

Folgen der Energiewende treffen den Kultur­güterschutz in großräumigeren Betrachtungs­maßstäben. Die zusätzliche Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergieanlagen oder das Repowering bestehender Anlagengruppen bringen Beeinträchtigungen mit sich. Dassel­be trifft auch zu auf die linienförmigen neuen