Kaiser - Überblick Energieeffizienz und Denkmalschutz: Was tut sich in Deutschla
Roswitha Kaiser
Überblick Energieeffizienz und Denkmalschutz: Was tut sich in Deutschland?
Einleitung
War es vor zwei Jahren noch der globale Klimaschutz, der in der öffentlichen Diskussion seiner Auswirkungen auf die notwendige Energie- Effizienzsteigerung des geschützten Gebäudebestands denDenkmalpflegern Kopfzerbrechen bereitete, so kommt aktuell die Energiewende hinzu, die neue Anforderungen in diese Debatte bringt, während die erstere Diskussion noch andauert. Kein anderes Thema trifft das Selbstverständnis und die geisteswissenschaftlichen Wurzeln der Denkmalpflege so in ihrem Kern wie diese neuen Herausforderungen.
In der Zwischenzeit haben sich allerdings Erkenntnisgewinne eingestellt, die mit einem leichten Vorzeichenwechsel einhergehen. Dazu folgende Feststellungen:
- Ohne die Einbeziehung des Gebäudebestandes können die ehrgeizigen Klimaschutzziele nicht erreicht werden, die gestellten Anforderungen an die C0 2 -Reduktion sind nur in der Fläche zu lösen.
- Die öffentliche Diskussion um den »Verpackungswahn« im Land der »Dichter und Dämmer« im Verbund mit der guten Netzwerkarbeit der Denkmalpflegeinstitutionen hat wesentlich zu einem Umdenken der politisch Verantwortlichen über die Berücksichtigung der baukulturellen Belange beigetragen.
- Die Bedarfsberechnung der baulichen Energieeffizienz nach der Energieeinsparungsverordnung (EnEV) ist ein öffentlich-rechtlicher Standard, der mit dem tatsächlichen Energieverbrauch nicht in Deckung gebracht werden kann.
- Die Novelle der Energieeinsparungsverordnung (2013?) schwächt dämmtechnische For
derungen ab, verschiebt das Forderungsniveau jedoch in Richtung des erhöhten Einsatzes erneuerbarer Energien.
- Die Konsequenzen der Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien an der Energieerzeugung sind nicht mit einem stringenten interdisziplinären Konzept durch die politisch Verantwortlichen begleitet worden.
- Viele Aspekte in der energiepolitischen Diskussion, die auch Auswirkungen auf den geschützten Baubestand haben, sind nach wie vor zu wenig berücksichtigt. Dazu gehören z. B. der zentrale Netzausbau und die Förderung dezentraler Netze für den Einsatz erneuerbarer Energien, fehlende Speicherkapazitäten für Wärme, fehlendes Know-how für die Speicherung von Strom, sozialpolitische Konsequenzen der geforderten Investitionen zur Erhöhung der Energieeffizienz, die notwendige Beeinflussung des Nutzerverhaltens, die Berücksichtigung der Energieeinsätze für Mobilität, die europäischen Vorgaben in der Abfallwirtschaftspolitik und die Ressourcenschonung.
Zwei Themen, die uns im Denkmalschutz aktuell beschäftigen, sollen hier herausgegriffen werden.
Denkmalschutz, Windparks und Netzausbau
Folgen der Energiewende treffen den Kulturgüterschutz in großräumigeren Betrachtungsmaßstäben. Die zusätzliche Ausweisung von Vorranggebieten für Windenergieanlagen oder das Repowering bestehender Anlagengruppen bringen Beeinträchtigungen mit sich. Dasselbe trifft auch zu auf die linienförmigen neuen