Denkmalpflege in Bremen Heft 10
Uwe Schwartz
Öffentliche und private Großbauten in Bremen zwischen den Weltkriegen
Nach Ende des Ersten Weltkriegs herrschte in Bremen eine Wohnungsnot, die sich innerhalb eines Jahres so weit verschärfte, dass die damals noch provisorische Regierung im April 1919 das Wohnungs- und Siedlungsamt ermächtigte, auf der Grundlage einer Verordnung Wohnraum zu beschlagnahmen. Die wirtschaftliche Situation hatte sich durch den Versailler Vertrag und den damit verbundenen Verlust vieler Handelsschiffe gegenüber den entbehrungsreichen Kriegsjahren nochmals verschlechtert, die Baukosten in der Folge dramatisch erhöht. Der zur Verfugung stehende Wohnraum musste deshalb geteilt werden oder wurde über ein notwendiges Maß hinausgehend als Luxusgut bewertet. Aus der damals bereits geforderten »Raumsteuer« entwickelte sich dann später die »Hauszinssteuer«, die tatsächlich auch ein wesentliches Förderinstrument der Baupolitik in der Zwischenkriegszeit wurde.
Auch wenn im Folgenden nicht Wohnbauten, sondern Geschäftshäuser, Verwaltungsgebäude und öffentliche Großbauten der Zwischenkriegszeit behandelt werden, gelten doch die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in diesem Sektor gleichermaßen, sind übertragbar. So sind die wenigen Bauprojekte im staatlichen Hochbau, die bis zum Ende der Inflationszeit 1923 gebaut wurden, zumeist in den Kriegsjahren begonnen oder doch vor Kriegsende initiiert worden. Zu diesen zählte auch der Neubau der Staatlichen Kunstgewerbeschule, Am Wandrahm 23, in der Bahnhofsvorstadt. Der Bau wurde 1922 ausgeführt und ging auf einen während der Kriegsjahre 1917 unter Bremer Architekten ausgeschriebenen Wettbewerb zurück, in dem der mit der Ausführung beauftragte Architekt Rudolf Jacobs mit einem 1. Preis ausgezeichnet worden war. Die kunstgewerbliche Ausbildung
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in Bremen war bis zu diesem Zeitpunkt institutionell und räumlich an das Gewerbemuseum gekoppelt gewesen. Die Staatliche Kunstgewerbeschule ist die Vorgängerin der heutigen nicht mehr auf das Kunstgewerbe beschränkten und auch die Musikerausbildung umfassenden »Hochschule für Künste«.
Rudolf Jacobs lässt in seinem Entwurf den Einfluss des holländisch-niederdeutschen barocken Klassizismus des 17. und 18. Jahrhunderts anklingen, zeigt aber bereits mit der Aufnahme expressiver Schmuckformen im Bereich der Bauplastik modernere Einflüsse. Die Jury hatte an Jacobs' Wettbewerbsentwurf insbesondere die »städtebauliche Behandlung der Gruppierung« mit dem (Garten-) »Zierhof von großem Reiz« zur bereits existierenden Mädchenoberschule an der Kleinen Helle und die »große Feinheit« des Gebäudeäußeren »in seiner vornehmen Schlichtheit« hervorgehoben.
Bei der Durchbildung der Fassaden halten sich abstrahiert barockisierender Dekor und zweckorientierter moderner Massenbau die Waage. Die Hoffront des Querflügels mit großzügig bemessenen Fenstern der Klassenräume weist einen großen Reichtum verschiedenartiger Schmuckverklinkerungen in den Brüstungsfeldern auf. Insgesamt fällt an den Fassaden die sehr liebevolle und sichere Detaillierung, das feine, sorgsam inszenierte Zusammenspiel von Formen, Materialien und Farben auf. Im Inneren beeindrucken vor allem die aufwendig mit Wandkeramik in dem Farbkontrast türkisgrün/ schwarz dekorierte, repräsentative Eingangshalle und der großzügige Bibliotheksraum.
Nachdem die Tätigkeit des Hochbauamts in Bremen nach Kriegsende, gehemmt durch die Inflation, nur zögernd wieder einsetzte, ist das Postamt 5 am Bahnhof, Bahnhofsplatz 20-21,