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Die Engelswiege : aus der geschriebenen Chronica des D. Bernardus Fabritius bremischen Bürgers / mitget. von Bernhardine Schulze-Smidt. Zeichn. von Margarethe von Reinken
Entstehung
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SIEBENTES STÜCK

ur späten Abendstunden vorerwähnten zweiten Weihnachtstages, da ich, die­ser Chronika Schreiber, hatte bereits mein Nachtgebet verrichtet, die Kappen von mir gethan und meine Märtensbüchlein, samt Neuem Testa­mente vom bloßen Leibe fort und unter mein Polster geschoben, pochte es zaghaft außen an meiner Kammer- thüren. Da ich fürsichtig . öffnete, stunde im finsteren Gange das Hänsi-

chen, meines Pröpsten Grambecken absonderlich beliebter Meßbube, mich citissime zu meinem Herren zu berufen.

Da ich aber ohn Maaßen abgeschlagen war, zufolgends meiner eigenen Unrast und strengen Dienstes in sothanen aufrührerischen Zeit­läuften, warf ich mit Seufzen meine Kappen nochmals über mich, und war meine einzige Freude dabei, daß diese Kappen hatte Etliches von meines Körpers Hitzen inne behalten. Gab dem Hänsichen, bevor daß wir uns aufmachten, ein Tröpflein hispanischen Sectes zu trinken; denn es war gänzlich verschneit und erklammt in sich, darum, daß es der Propst bereits von Pontio zu Pilato gejagt, ohn die mindeste Willfährig-

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