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Die Engelswiege : aus der geschriebenen Chronica des D. Bernardus Fabritius bremischen Bürgers / mitget. von Bernhardine Schulze-Smidt. Zeichn. von Margarethe von Reinken
Entstehung
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einen geduldsamen und sanftmüthigen Beichtiger; einen Bremischen, statts Pater Eccardi, dem Monnikenhuder. Maaßen selbiger war von Natur eines ländlichen Bauern Sohn; schreckte die Klosterschen gerne mit Grobsen über Gebühr, gleich als wären sie keine Gottesschäflein, sondern derb Weidenvieh auf der Wisch und brauchten seines Hüt­steckens; donnerte auch mit Worten, also, daß des Beichtstübleins metallene Scheidung schier erklirrte darob.

Siehe, und währenddeß die mütterliche Fürsorgerin wendete zum Bedenken ihre pergamentenen Blätter, stieß ihr, bei Betrachtung des Andächtigen Rosengärtleins der Überbenedeiten Gottesgebärerin", ein gar holdselig Feinbildlein Mariä auf, welche mit gefaltenen Händen und Lächeln einem geflügelten Engeln zuschaute, so ihr Jesuskind schaukelte in einer purpurfarbenen Wiegen, herrlich mit güldenem Schnörkelwerk verziert. Und schienen der Nacht Gestirne über dem Bilde, und flog des wiegenden Engels lichtes Haar in schwebenden Wellen um sein kinder- haft Antlitz. Da brachte dieses Engelsangesicht der Frauen Abba- dissen die Engelswiegen in ihre Gedachten zurück: Frauen Ghesae de Vechten Opfergabe in des Klosters Schatz, und alsbald stund ein frommer und sonderlicher Anschlag zu des Kindes Heiliken erhebender Beglückung in ihrem suchenden Geiste auf. Wollte es lassen seiner Mutter Engelswiegen schwingen zur Weihenacht.

Erwägte sothanen Anschlag wohl in der Stille, bis daß er fest stund, und sogleich, nachdem des Himmelsstimmleins Singen, vom Süsternchore wieder war verklungen, entbot sie das Kind zu sich in ihrer Zellen äußerste Verschwiegenheit. Hieß es gänzlich allein kommen, ohn der Meisterschen Alheyd Vormundschaft. Und nahte es mit zagen Schritten herzu.

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